Christian Harb
Die Fundstelle Mumpf AG-Kapf liegt auf einer Geländeterrasse
unmittelbar oberhalb des Rheins. Sie wurde erstmals in den
1930er-Jahren von Pfarrer Hans Rudolf Burkart archäologisch
untersucht. Bei der von ihm gegrabenen «Wohngrube»
handelte es sich vermutlich um ein teilweise mit Siedlungsabfällen
verfülltes spätglaziales Bachbett. Trotz der regen
Bautätigkeit in den vergangenen Jahrzehnten fand auf
dem Kapf nur eine Grabung statt: Im Jahre 1991 wurden u.a.
ein mutmasslicher Pfostenbau und ein Grubenhaus aus dem Neolithikum
dokumentiert.
Insbesondere aus den Altgrabungen liegt ein grosses Fundinventar
vor, das Keramik, Silexgeräte, Hirschgeweihgeräte,
Steinbeilfragmente, Schleif- und Mahlsteine und nicht zuletzt
auch unbearbeitete Tierknochen umfasst. Diese Funde legen
Zeugnis einer regen Siedlungstätigkeit ab, die Belegungsphasen
aus dem Mesolithikum, dem frühen Jungneolithikum, dem
Horgen, der Schnurkeramik, der ausgehenden Frühbronzezeit
sowie von der Spätbronzezeit bis ans Ende der Hallstattzeit
aufweist.
Jahrbuch Archäologie Schweiz
92, 2009, 7–64.
Elisabeth Anliker, Annick de Capitani
und Christoph Lötscher
In Burgäschisee-Ost werden drei Zonen unterschieden.
Im Folgenden geht es vor allem um Zone 1, den südlichen
Pfahlbau. Hier kamen Reste einer aufgearbeiteten Kulturschicht
zum Vorschein, die Funde verschiedener Zeitstellungen enthielten.
Nur zwei Pfähle wurden nachträglich geborgen und
dendrochronologisch datiert. Sie ergeben geschätzte Waldkanten
um 3830 v.Chr. In diesen Zeitraum datiert auch der grösste
Teil der Funde.
Die Silexartefakte von Burgäschisee-Ost dürften
einen relativ einheitlichen Komplex der klassischen Cortaillodkultur
darstellen. Wenig älteres Material wird der Egolzwiler
Kultur zugewiesen, typologisch jüngere Pfeilspitzen sind
spätneolithisch. Eine kleine Serie an Silexartefakten
lag deutlich tiefer als die neolithischen Funde und wird ins
Magdalénien datiert (ca. 14 000–13 000 BP).
Wenige Silices aus dem glazialen Kies bzw. den fluviatilen
Schottern aus Gletschernähe dürften letzteiszeitlich
datieren (spätes Moustérien, 30 000–35 000
BP).
Die Vorlage der Keramik, der Steinbeile und Knochengeräte
folgt in einem weiteren Artikel.
Jahrbuch Archäologie Schweiz
92, 2009, 65–96.
Renate Ebersbach
Die Befunde von Gachnang-Niederwil TG-Egelsee gehören
zu den am besten erhaltenen Seeufersiedlungen in der Schweiz.
Ihre Rekonstruktion als Reihenhaus-Siedlung entlang einer
Dorfgasse hat sich in den letzten 30 Jahren grosser Beliebtheit
erfreut und fand ihren Weg in zahlreiche Publikationen. Anhand
der publizierten Quellen schlage ich hier eine neue Rekonstruktion
vor, die in wesentlichen Punkten von der alten abweicht: Es
gab keine Reihenhäuser mit mehreren Räumen, sondern
frei stehende Einraum-Häuser unterschiedlicher Grösse
und Ausrichtung. Die Häuser standen meist giebelständig
in Zeilen, die Bebauung war eher locker. Über die Gleichzeitigkeit
der Häuser und deren Lebensdauer kann heute nichts Konkretes
mehr gesagt werden. An einem Hausplatz wurden bis zu vierzehn
Umbau- und Erneuerungsphasen dokumentiert. Die Gesamt-Laufzeit
der Siedlung betrug mindestens 88 Jahre, vermutlich ohne grosse
Siedlungsunterbrüche. Absolut datiert die Siedlung in
den Zeitraum 3714–3626 v.Chr., wenn man zu den Kern-Endjahren
der dendrodatierten Eichen noch jeweils 20 Splintjahre dazurechnet.
.
Jahrbuch Archäologie Schweiz
92, 2009, 97-116.
Daniel Berger
Im Jahre 1934 grub Karl Keller-Tarnuzzer in Fläsch
GR-Luzisteig, Persax vier Kalk- und Gipsöfen, Bronzebleche,
Keramik, römische Münzen und eine Bronzestatuette
aus. In einem vier Jahre später erschienenen Aufsatz
bezeichnete er den gesamten Komplex aufgrund der Münzen
als römisch.
Im Archiv des Rätischen Museums vorgefundenes Keramikmaterial
und unlängst an der Fundstelle entdeckte Knochenfunde
führen zu einem ganz anderen Schluss . Der Fundort erweist
sich als Brandopferplatz, der in der Stufe BzD/HaA1 (13./12.
Jh. v.Chr.) eingerichtet und bis ca. 400 v.Chr. immer wieder
aufgesucht wurde, besonders häufig in HaD. Einziger Fund
aus den nachfolgenden Jahrhunderten ist ein Gefäss. Ab
Mitte des 2. Jh. n.Chr. wurde der Platz wieder aufgesucht,
und bis Ende des 4. Jh. ist eine Nutzung der Kultstätte
aufgrund der Münzen nachgewiesen. Vermutlich zwischen
700 und 1000/1200 n.Chr. diente das Steinmaterial des Brandopferplatzes
zum Bau von Kalk- und Gipsöfen.
Jahrbuch Archäologie Schweiz
92, 2009, 117-164.
Emanuela Guerra
Der vorliegende Artikel behandelt römische Fibeln,
die an zahlreichen Fundstellen im Raum Locarno geborgen wurden1.
Er ist primär ein kommentierter Katalog, der auf bereits
definierten Typologien basiert. Wesentlich ist der jeweilige
Fundzusammenhang; die Fibeln aus nicht-sepulkralem Kontext
sind daher den viel zahlreicheren Stücken aus Nekropolen
gegenübergestellt.
Ein Schwergewicht bilden die Fibeln aus dem Gebiet der heutigen
Gemeinde Muralto, weil hier in römischer Zeit das wichtigste
Zentrum des Raums Locarno bestand. 111 Stücke, die 17
Typen angehören, stammen aus den Gräberfeldern,
die mit Muralto in Beziehung standen. Dagegen kamen nur gerade
14 Fibeln, die 6 Typen zuzuweisen sind, im Verlauf der Untersuchungen
der 1970e-r und 1980er-Jahren in den Wohn- und Gewerbezonen
des Vicus Muralto zum Vorschein kamen.
Jahrbuch Archäologie Schweiz
92, 2009, 165-200.
Caroline Anderes
Die Beinobjektesammlung im Musée romain Nyon 82 Objekte
sowie 113 Artefakte, welche die Beinbearbeitung belegen. Die
Geräte(teile) lassen sich 17 Objektkategorien zuweisen
: Messergriffe, Nähnadeln, Spinnrocken, Webgeräte,
Spindeln/Stili, Löffel und Pfrieme aus der Gruppe der
Gebrauchsgegenstände, Haarnadeln als Vertreter der Schmuckgegenstände,
verschiedene Möbelteile, ein Bogenteil als Beleg für
Bewaffnung, Spielsteine und würfel zur Unterhaltung.
Die Beinbearbeitung ist anhand von Abfällen, Halbfabrikaten
und Rohlingen belegt.
Verwendet wurden Knochen, Hirschgeweih, Schweineeckzahn
sowie Horn. Die Erarbeitung dieses Artikels bot Gelegenheit,
das gesamte Knochenmaterial aus Nyon zu sichten und damit
die Produktionsabfälle vollständig zu erfassen.
Jahrbuch Archäologie Schweiz
92, 2009, 201-237.

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