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  Zusammenfassungen des Jahrbuches Nr. 92 (2009)

 

 
   

Christian Harb
Mumpf AG-Kapf: Eine intensiv besiedelte Geländeterrasse am Rhein. Mit Beiträgen von Jehanne Affolter, Sandra Braschler und Jörg Schibler

     

Elisabeth Anliker, Annick de Capitani und Christoph Lötscher
Aeschi SO-Burgäschisee-Ost: Die Grabung der Ufersiedlung 1944 und die Nachuntersuchung 1945. Befunde und Silices

     
 

Renate Ebersbach
Gachnang-Niederwil TG-Egelsee: Neuinterpretation der Baubefunde

     
 

Daniel Berger
Ein Brandopferplatz in Fläsch GR-Luzisteig. Neue Erkenntnisse zu einer alten Fundstelle

 

Emanuela Guerra
Le fibule d'epoca romana nel locarnese. Tradizione e romanità

 

Caroline Anderes
La collection de tabletterie du Musée romain de Nyon

 

Christian Harb

Mumpf AG-Kapf: Eine intensiv besiedelte Geländeterrasse am Rhein. Mit Beiträgen von Jehanne Affolter, Sandra Braschler und Jörg Schibler


Die Fundstelle Mumpf AG-Kapf liegt auf einer Geländeterrasse unmittelbar oberhalb des Rheins. Sie wurde erstmals in den 1930er-Jahren von Pfarrer Hans Rudolf Burkart archäologisch untersucht. Bei der von ihm gegrabenen «Wohngrube» handelte es sich vermutlich um ein teilweise mit Siedlungsabfällen verfülltes spätglaziales Bachbett. Trotz der regen Bautätigkeit in den vergangenen Jahrzehnten fand auf dem Kapf nur eine Grabung statt: Im Jahre 1991 wurden u.a. ein mutmasslicher Pfostenbau und ein Grubenhaus aus dem Neolithikum dokumentiert.

Insbesondere aus den Altgrabungen liegt ein grosses Fundinventar vor, das Keramik, Silexgeräte, Hirschgeweihgeräte, Steinbeilfragmente, Schleif- und Mahlsteine und nicht zuletzt auch unbearbeitete Tierknochen umfasst. Diese Funde legen Zeugnis einer regen Siedlungstätigkeit ab, die Belegungsphasen aus dem Mesolithikum, dem frühen Jungneolithikum, dem Horgen, der Schnurkeramik, der ausgehenden Frühbronzezeit sowie von der Spätbronzezeit bis ans Ende der Hallstattzeit aufweist.


Jahrbuch Archäologie Schweiz
92, 2009, 7–64.

 

Elisabeth Anliker, Annick de Capitani und Christoph Lötscher

Aeschi SO-Burgäschisee-Ost: Die Grabung der Ufersiedlung 1944 und die Nachuntersuchung 1945. Befunde und Silices


In Burgäschisee-Ost werden drei Zonen unterschieden. Im Folgenden geht es vor allem um Zone 1, den südlichen Pfahlbau. Hier kamen Reste einer aufgearbeiteten Kulturschicht zum Vorschein, die Funde verschiedener Zeitstellungen enthielten. Nur zwei Pfähle wurden nachträglich geborgen und dendrochronologisch datiert. Sie ergeben geschätzte Waldkanten um 3830 v.Chr. In diesen Zeitraum datiert auch der grösste Teil der Funde.

Die Silexartefakte von Burgäschisee-Ost dürften einen relativ einheitlichen Komplex der klassischen Cortaillodkultur darstellen. Wenig älteres Material wird der Egolzwiler Kultur zugewiesen, typologisch jüngere Pfeilspitzen sind spätneolithisch. Eine kleine Serie an Silexartefakten lag deutlich tiefer als die neolithischen Funde und wird ins Magdalénien datiert (ca. 14 000–13 000 BP).

Wenige Silices aus dem glazialen Kies bzw. den fluviatilen Schottern aus Gletschernähe dürften letzteiszeitlich datieren (spätes Moustérien, 30 000–35 000 BP).

Die Vorlage der Keramik, der Steinbeile und Knochengeräte folgt in einem weiteren Artikel.

 

Jahrbuch Archäologie Schweiz
92, 2009, 65–96.

 


Renate Ebersbach

Gachnang-Niederwil TG-Egelsee: Neuinterpretation der Baubefunde

 

Die Befunde von Gachnang-Niederwil TG-Egelsee gehören zu den am besten erhaltenen Seeufersiedlungen in der Schweiz. Ihre Rekonstruktion als Reihenhaus-Siedlung entlang einer Dorfgasse hat sich in den letzten 30 Jahren grosser Beliebtheit erfreut und fand ihren Weg in zahlreiche Publikationen. Anhand der publizierten Quellen schlage ich hier eine neue Rekonstruktion vor, die in wesentlichen Punkten von der alten abweicht: Es gab keine Reihenhäuser mit mehreren Räumen, sondern frei stehende Einraum-Häuser unterschiedlicher Grösse und Ausrichtung. Die Häuser standen meist giebelständig in Zeilen, die Bebauung war eher locker. Über die Gleichzeitigkeit der Häuser und deren Lebensdauer kann heute nichts Konkretes mehr gesagt werden. An einem Hausplatz wurden bis zu vierzehn Umbau- und Erneuerungsphasen dokumentiert. Die Gesamt-Laufzeit der Siedlung betrug mindestens 88 Jahre, vermutlich ohne grosse Siedlungsunterbrüche. Absolut datiert die Siedlung in den Zeitraum 3714–3626 v.Chr., wenn man zu den Kern-Endjahren der dendrodatierten Eichen noch jeweils 20 Splintjahre dazurechnet. .

 

Jahrbuch Archäologie Schweiz
92, 2009, 97-116.

 


Daniel Berger

Ein Brandopferplatz in Fläsch GR-Luzisteig. Neue Erkenntnisse zu einer alten Fundstelle

 

Im Jahre 1934 grub Karl Keller-Tarnuzzer in Fläsch GR-Luzisteig, Persax vier Kalk- und Gipsöfen, Bronzebleche, Keramik, römische Münzen und eine Bronzestatuette aus. In einem vier Jahre später erschienenen Aufsatz bezeichnete er den gesamten Komplex aufgrund der Münzen als römisch.

Im Archiv des Rätischen Museums vorgefundenes Keramikmaterial und unlängst an der Fundstelle entdeckte Knochenfunde führen zu einem ganz anderen Schluss . Der Fundort erweist sich als Brandopferplatz, der in der Stufe BzD/HaA1 (13./12. Jh. v.Chr.) eingerichtet und bis ca. 400 v.Chr. immer wieder aufgesucht wurde, besonders häufig in HaD. Einziger Fund aus den nachfolgenden Jahrhunderten ist ein Gefäss. Ab Mitte des 2. Jh. n.Chr. wurde der Platz wieder aufgesucht, und bis Ende des 4. Jh. ist eine Nutzung der Kultstätte aufgrund der Münzen nachgewiesen. Vermutlich zwischen 700 und 1000/1200 n.Chr. diente das Steinmaterial des Brandopferplatzes zum Bau von Kalk- und Gipsöfen.

Jahrbuch Archäologie Schweiz
92, 2009, 117-164.

 


Emanuela Guerra

Le fibule d'epoca romana nel Locarnese. Traduzione e romanità

 

Der vorliegende Artikel behandelt römische Fibeln, die an zahlreichen Fundstellen im Raum Locarno geborgen wurden1. Er ist primär ein kommentierter Katalog, der auf bereits definierten Typologien basiert. Wesentlich ist der jeweilige Fundzusammenhang; die Fibeln aus nicht-sepulkralem Kontext sind daher den viel zahlreicheren Stücken aus Nekropolen gegenübergestellt.

Ein Schwergewicht bilden die Fibeln aus dem Gebiet der heutigen Gemeinde Muralto, weil hier in römischer Zeit das wichtigste Zentrum des Raums Locarno bestand. 111 Stücke, die 17 Typen angehören, stammen aus den Gräberfeldern, die mit Muralto in Beziehung standen. Dagegen kamen nur gerade 14 Fibeln, die 6 Typen zuzuweisen sind, im Verlauf der Untersuchungen der 1970e-r und 1980er-Jahren in den Wohn- und Gewerbezonen des Vicus Muralto zum Vorschein kamen.

 

Jahrbuch Archäologie Schweiz
92, 2009, 165-200.

 

Caroline Anderes

La collection de tabletterie du Musée romain de Nyon

 

Die Beinobjektesammlung im Musée romain Nyon 82 Objekte sowie 113 Artefakte, welche die Beinbearbeitung belegen. Die Geräte(teile) lassen sich 17 Objektkategorien zuweisen : Messergriffe, Nähnadeln, Spinnrocken, Webgeräte, Spindeln/Stili, Löffel und Pfrieme aus der Gruppe der Gebrauchsgegenstände, Haarnadeln als Vertreter der Schmuckgegenstände, verschiedene Möbelteile, ein Bogenteil als Beleg für Bewaffnung, Spielsteine und würfel zur Unterhaltung. Die Beinbearbeitung ist anhand von Abfällen, Halbfabrikaten und Rohlingen belegt.

Verwendet wurden Knochen, Hirschgeweih, Schweineeckzahn sowie Horn. Die Erarbeitung dieses Artikels bot Gelegenheit, das gesamte Knochenmaterial aus Nyon zu sichten und damit die Produktionsabfälle vollständig zu erfassen.

Jahrbuch Archäologie Schweiz
92, 2009, 201-237.

 

 
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