Patrick Gassmann
Die Grabungen von 2003 in La Tène lieferten Material
für neue Datierungen, und sie waren der Anlass dafür,
alte Dendroresultate zu überprüfen. Bei manchen
Hölzern erwies sich die alte Datierung als richtig, bei
anderen wurde sie korrigiert.
Weil wichtige Bauhölzer im sog. Pont Vouga fehlen,
muss das Bauwerk derzeit als dendrochronologisch nicht datiert
gelten.
Der Pont Desor darf wegen der erzielten Resultate —
zwischen 660 und 655 v.Chr. — als eine der ältesten
Brücken Europas bezeichnet werden.
Beim 1913 entdeckten Eichenschild wurden zwei Originalteile
dendrochronologisch neu gemessen und richtig auf dem damals
erstellten Gipsabdruck platziert, was präzisere Aussagen
zur Herstellungsweise dieser Schutzwaffe erlaubte. Indem man
ermittelte, um wie viel die im Frühjahr gebildeten Holzzellen
Die ursprüngliche Dicke der zwei verwendeten Eichenbretter
konnte durch Messen der im Frühjahr gebildeten und durch
die Einlagerungsbedingungen der Bretter deformierten Holzzellen
hergeleitet werden.
Jahrbuch Archäologie Schweiz
90, 2007, 75–88.
Martin Bossert
Drei Neufunde und ein Altfund aus Nyon erweitern unsere Kenntnis
der Skulpturenproduktion von Iulia Equestris. Ein archaisierender
Kalksteinkopf des Jupiter Ammon stammt von einer Statue, die
wahrscheinlich an einem öffentlichen Ort stand. Sie entstand
im 2. Viertel des 1. Jh. n.Chr. in einer lokalen Werkstatt
und zählt zu den besten und frühesten Arbeiten.
Ein stilisierter Löwenkopf aus Kalkstein mit Resten
eines Wasserkanals stammt von einem Wasserspeier. Zu vermuten
ist eine Anbringung am Dachrand eines öffentlichen(?)
Gebäudes.
Ein freiplastischer Ziegenkopf aus Carrara-Marmor mit betonter
Schauseite ist wohl Teil eines bukolischen Reliefs. Das italische
Importstück des frühen 2. Jh. n.Chr., das einen
Capriden mit reitendem Bacchuskind oder Eroten darstellte,
zierte wohl einen privaten Garten.
Die Faltenreste auf einem Reliefplattenfragment aus selten
verwendetem Gipsgestein stammen wohl von einem Tropaion (Siegesmal).
Die verzierte Platte aus der 1. Hälfte des 1. Jh. n.Chr.
wird zu einem Triumphalrelief in offiziellem Kontext gehört
haben.
Jahrbuch Archäologie Schweiz
90, 2007, 89–102.
Adriano Boschetti-Maradi
Bauforschung wird in der Schweiz vorwiegend im Rahmen der
Mittelalter- und Neuzeitarchäologie betrieben. Weil die
ehemalige SGUF seit 2006 «Archäologie Schweiz»
heisst und neu auch Mittelalter- und Neuzeitarchäologie
einschliesst, stellt der vorliegende Beitrag Situation und
Geschichte der Disziplin in der Schweiz kurz vor. Der Forschungszweig
befasst sich mit Bauwerken aller Art und untersucht diese
unter anderem anhand von Stratigrafie, Dendrochronologie und
Funden. In der praktischen Tätigkeit vieler kantonalen
Fachstellen ist er mit der Archäologie verbunden.
Wie die Archäologie hat die Bauforschung ihre Wurzeln
in der Altertumskunde des 19. Jh. ihre gemeinsamen Wurzeln.
Die volkskundliche Hausforschung ist ein zweites Standbein.
Der Forschungszweig wird — zwar nicht am aufgehenden
Bestand, sondern im Boden —auch im Rahmen der Ur- und
Frühgeschichte betrieben. Ergebnisse der Bauforschung
an mittelalterlichen und neuzeitlichen Gebäuden können
für die Deutung oft rudimentär erhaltener prähistorischer
Bestände aufschlussreich sein.
Jahrbuch Archäologie Schweiz
90, 2007, 103-115.
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