SGUF / SSPA
zum eingangsuchenkontaktdeutschfrançais
portraitnewspublikationenveranstaltungenArbeitsgemeinschaften (AGs)forum
   
  Zusammenfassungen des Jahrbuches Nr. 89 (2006)

 

 
   

Ursula Hügi
Stansstad NW-Kehrsiten. Neolithische Seeufersiedlungen am Alpennordrand

     

Christiane Pugin et Pierre Corboud
Un habitat littoral du Néolithique final en bordure de la rade de Genève

     
 

Carine Deslex Sheikh, Sébastien Saltel, Luc Braillard et Jean Detrey
Le Campaniforme des vallées sèches d'Ajoie JU. Les sites de la combe En Vaillard et de la combe Varu à Chevenez

     
 

Simone Benguerel
Zur mittel- und spätbronzezeitlichen Besiedlung von Goldach SG-Mühlegut

 

Berhard Bigler
Neue Funde der Bronze- und Eisenzeit aus dem Kanton Zug

     
 

Robert Michel
Cornaux NE-Le Roc. Un dépôt de céramqiue du Hallstatt ancien

     
 

Tobias L. Kienlin
Ergebnisse einer metallographischen Untersuchung an Beilen des frühbronzezeitlichen Depots von Sennwald SG-Salez

     
   
 

Ursula Hügi

Stansstad NW-Kehrsiten. Neolithische Seeufersiedlungen am Alpennordrand


Durch die Entdeckung der mehrphasigen, neolithischen Ufersiedlungen im Vierwaldstättersee bei Stansstad NW-Kehrsiten erfuhr die bekannt geglaubte Zone des schweizerischen Pfahlbaugebietes eine geographische Ausdehnung bis hin zum Alpennordrand. Die Auswertung des bisher geborgenen Fundmaterials lässt annehmen, dass die Fundstelle Stansstad-Kehrsiten archäologisch gesehen keine kulturelle Übergangszone zwischen Alpenraum und Flachland widerspiegelt, sondern eher in das Gebiet eines grossen, kulturell einheitlich geprägten Raumes gehört, mit Ausrichtung gegen Nordosten, hin zu Zuger , Zürich- und Bodensee. Im archäobiologischen Fundmaterial schlägt sich die Nähe zu den Alpen im Jagdtier- und Sammelpflanzenspektrum deutlich nieder.

Die vorhandenen Dendro- und C14-Daten sowie die typologische Einordnung des Fundmaterials lassen auf mindestens vier verschiedene Phasen schliessen und decken eine Zeitspanne von nahezu 1000 Jahren ab: Cortaillod, Pfyn, Übergang Pfyn/Horgen und Horgen. Dendrochronologisch von grosser Bedeutung sind die Waldkantendaten um 3450 v.Chr., eine bisher bloss mit Kernholzdaten belegte Phase.


Jahrbuch Archäologie Schweiz
89, 2006, 7–23.

 


Christiane Pugin et Pierre Corboud

Un habitat littoral du Néolithique final en bordure de la rade de Genève


Im Dezember 2003 wurde auf dem linken Ufer der Genfer Bucht per Zufall eine spätneolithische Seeufersiedlung entdeckt. Letztere liegt im Parc de la Grange, wo zuvor eine Siedlung der Spätbronzezeit, Reste aus der keltischer Periode und eine gallorömische Villa zum Vorschein gekommen waren.

Die anthropogene Kulturschicht ist gut 45 cm dick; sie hat sich unter den 1.3 m mächtigen Überschwemmungsniveaus aus Sanden und Seegeröllen erhalten. Das archäologische Fundgut ist in gutem Zustand, allerdings fehlen pflanzliche Reste. Die Faunenreste sind sehr gut erhalten.

Die 12 dendrochronologisch untersuchten Pfähle belegen eine Besiedlung zwischen 2947 und 2792 v. Chr. Wie die Schlagphasen zeigen, gehört die Siedlung zeitlich in die Phase des älteren Lüscherz, wie es in dem Drei-Seen-Gebiet (Neuenburgersee, Murtensee und Bielersee) bekannt ist. Das Material gehört überwiegend zur Lüscherzer Gruppe, einige Keramikprofile aber zeigen eine Beziehung zu älteren, vom Süden kommenden Keramikformen. Einflüsse aus Südfrankreich sind im gesamten Fundgut generell erkennbar.

 

Jahrbuch Archäologie Schweiz
89, 2006, 25–50.

 


Carine Deslex Sheikh, Sébastien Saltel, Luc Braillard et Jean Detrey

Le Campaniforme des vallées sèches d'Ajoie JU. Les sites de la combe En Vaillard et de la combe Varu à Chevenez

 

Zwischen 1998 und 2002 wurden in Chevenez JU zwei Fundplätze der Glockenbecherkultur entdeckt und ausgegraben: Combe En Vaillard und Combe Varu. Beide liegen am Ausgang von Trockentälern, die für das Relief der Ajoie charakteristisch sind.

An beiden Fundstellen haben sich im Wesentlichen nur Keramik und Steinartefakte erhalten. Das Keramikinventar ist sehr vergleichbar: hier wie dort Krüge, Schalen, Becher, Gefässe mit Henkel und vielleicht Deckel. Das Verzierungsspektrum ist in Combe Varu breiter als in Combe En Vaillard: Zickzacklinien und -muster, Kreuzgitter, abwechselnd kurze und in Abständen senkrechte Linien. Die Zierelemente lassen sich in vielen Punkten mit jenen im nahe gelegenen Alle-Noir Bois vergleichen, weisen jedoch einen stärkeren südlichen Einfluss auf.

Die Steinartefakte bestehen auf den drei Plätzen aus den gleichen Rohstoffen. Die Feuersteine von Alle und Develier überwiegen. Auch die Schlagtechnik und der Werkzeugkorpus sind auf allen drei Fundstellen sehr ähnlich: es finden sich viele ausgesplitterte Stücke und Kratzer.

 

Jahrbuch Archäologie Schweiz
89, 2006, 87-118.

 


Simone Benguerel

Zur mittel- und spätbronzezeitlichen Besiedlung von Goldach SG-Mühlegut

 

Im Jahr 1999 führte die Entdeckung prähistorischer Keramik bei Goldach SG-Mühlegut zu einer Notgrabung. Die dabei freigelegte Fundzone umfasst eine Fläche von 500 m2, wovon 56 m2 in Feingrabung untersucht werden konnten. Mindestens zwei Fundhorizonte erbrachten über 350 kg Gefässkeramik. Deren typologische Bestimmung unterstützt durch C14-Analysen erbrachten Belegungen in der Mittel- und Spätbronzezeit. Diffuse Schichtgrenzen verunmöglichten eine eindeutige Trennung des Materials der beiden Perioden. Die spätbronzezeitlichen Scherben konzentrierten sich auf eine leichte Senke im Moränenuntergrund, wo sie mit einer für Mineralbodenerhaltung ungewöhnlichen Dichte bis 20 kg/m2 lagen. Wahrscheinlich handelt es sich um den Abfallbereich einer Siedlung, von der aber sichere bauliche Strukturen fehlen. Die sich darunter erstreckende Steinschicht ist eine typisch mittelbronzezeitliche Fundamentierung von Hausbauten. Gegen Norden wurde sie durch einen Wall aus grossen Bollensteinen begrenzt. Neben der 1937–39 ergrabenen Fundstelle von Rorschacherberg SG-Obere Burg kann mit Goldach-Mühlegut nun eine zweite prähistorische Siedlung im Bereich des St. Galler Bodenseeufers vorgelegt werden.

 

Jahrbuch Archäologie Schweiz
89, 2006, 187-135.

 


Berhard Bigler

Neue Funde der Bronze- und Eisenzeit aus dem Kanton Zug

 

In den letzten 20 Jahren kam es im Kanton Zug zu einer markanten Zunahme neuer Fundstellen. Dies ist auf die Institutionalisierung der Kantonsarchäologie und der damit verbundenen Intensivierung der Prospektion zurückzuführen, im Umfeld einer starken Bautätigkeit.

Unter dem Fundmaterial fanden sich einige bemerkenswerte Objekte, so beispielsweise eisenzeitliche Importgüter aus dem Süden, welche in den Gemeinden Baar und Zug zum Vorschein kamen. Sie zeugen von einer Fernhandelsroute, welche durch den Kanton Zug führte. Zudem lassen die in Baar aus dem Schwemmkies der Lorze stammenden Einzelfunde die Vermutung zu, dass es sich dabei um absichtlich in der Lorze versenkte Fundobjekte handelt.
Der vorliegende Artikel ist eine Materialvorlage, grösstenteils von Neufunden, welche auf einer Lizentiatsarbeit basiert . Die siedlungsarchäologische Auswertung wird nur ansatzweise besprochen.

 

Jahrbuch Archäologie Schweiz
89, 2006, 137-164.

 


Robert Michel

Cornaux NE-Le Roc. Un dépôt de céramqiue du Hallstatt ancien

 

Im April 2000 wurde im Bereich der vorgesehenen Erweiterung des Kalksteinbruchs von Cornaux NE-Le Roc sondiert. Dabei wurde eine archäologische Fundstelle entdeckt, sich als so bedeutend erwies, dass mit Einverständnis der betroffenen Firma auf einer Fläche von 600 m2 eine dreimonatige Rettungsgrabung durchgeführt wurde.
Der vorliegende Artikel präsentiert die Resultate aus der Analyse der umfangreichsten Objektgruppe, der rund 260 kg HaC-zeitlichen Keramik. Wohl fehlen Strukturen völlig; angesichts der exponierten Lage der Fundstelle auf dem höchsten Gipfel der Roches de Châtoillon, auf 674 m ü.M., besteht aber kein Zweifel, dass die Keramik absichtlich dort deponiert oder weggeworfen wurde. In welchem Zusammenhang oder unter welchen Umständen dies geschah, bleibt zu erforschen; zur Zeit gehen wir von einer zeremoniellen Funktion des Platzes aus.

 

Jahrbuch Archäologie Schweiz
89, 2006, 165-188.

 


Tobias L. Kienlin

Ergebnisse einer metallographischen Untersuchung an Beilen des frühbronzezeitlichen Depots von Sennwald SG-Salez

 

Gefügekundliche Untersuchungen an frühbronzezeitlichen Randleistenbeilen des Depotfundes von Sennwald SG-Salez erlaubten — über die reine Materialzusammensetzung hinaus — Rückschlüsse auf die Guss- und Schmiedetechnik sowie auf den Kenntnisstand der damaligen Metallhandwerker.

Die Beile von Sennwald-Salez selbst und jene des nach ihnen benannten Typs Salez bestehen aus Fahlerzkupfer, das in unterschiedlicher Höhe Nebenelemente wie Antimon, Arsen, Nickel und Silber enthält. Sie sind also — anders als zum Beispiel die Beile des Typs Neyruz in der Westschweiz — nicht mit Zinn legiert. Es wird diskutiert, wie sich das gewählte Rohmaterial auf den Herstellungsprozess und die Eigenschaften der Beile auswirkte. Dabei wird klar, dass Fahlerzkupfer entgegen einer verbreiteten Meinung nicht etwa eine minderwertige Alternative aus der Frühphase der frühbronzezeitlichen Metallurgie vor dem Aufkommen der Zinnlegierung sind. Vielmehr erweist sich dieses Material als für die Herstellung von Geräten oder Waffen gut geeignet und zumindest für einen Übergangszeitraum als gleichwertige Alternative zur Zinnbronze.


Jahrbuch Archäologie Schweiz
89, 2006, 189-201.

 

 

 

 

 
      Mail senden
       

 

Mail senden