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Ursula Hügi und Christine Michel-Tobler
Oberrieden ZH-Riet - eine frühhorgenzeitliche
Siedlung |
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Katrin Roth-Rubi, Verena Schaltenbrand Obrecht,
Martin Peter Schindler und Benedikt Zäch
Neue Sicht auf die «Walenseetürme»
Vollständige Fundvorlage und historische Interpretation |
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Ingrid R. Metzger
Roveredo GR-Tre Pilastri
Ausgrabungen des Rätischen Museums von 1965 |
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Marina Bernasconi Reusser, Christoph Reusser, Danielle
Decrouez
con la collaborazione di Jacqueline Schmid
Analisi di marmi bianchi provenienti da
contesti archeologici del Canton Ticino |
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Beat Horisberger und Annamaria Matter
Vom römischen Gutshof zur mittelalterlichen
Siedlung
Zwei frühmittelalterliche Grubenhäuser und
weitere mittelalterliche Befunde im römischen Gutshof
Dällikon ZH
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Beat Horisberger, Katharina Müller, Andreas
Cueni, Antoinette Rast-Eicher
Bestattungen des 6./7. Jh. aus dem früh-
bis spätmittelalterlichen Gräberfeld Baar
ZG-Zugerstrasse
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Markus Roth und Renata Windler
Zum früh- und hochmittelalterlichen
Oberwinterthur: Eine Ausgrabung am
Fuss des Kirchhügel
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Erika Gobet, Peter A. Hochuli, Brigitta Ammann,
Willy Tinner
Vom Urwald zur Kulturlandschaft des Oberengadins
Vegetationsgeschichte der letzten 6200 Jahre
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Ursula Hügi und Christine Michel-Tobler
Oberrieden ZH-Riet — eine frühhorgenzeitliche
Siedlung
Die Seeufersiedlung Oberrieden ZH-Riet, mit Fundmaterial aus
dem Übergangsbereich zwischen Pfyn und Horgen, bringt
neue Erkenntnisse zur typologischen Entwicklung in dieser
noch lückenhaft erforschten Zeitspanne.
Die frühhorgenzeitliche Fundstelle wurde bereits im
Jahr 1969 entdeckt, seither wurden dort mehrere, kleinere
Untersuchungen durchgeführt. Bei der letzten Aktion,
im Jahr 2001, wurde ein grösseres Fundensemble geborgen,
was den Anlass zu dieser Auswertung gab. Mit dem Material
von Oberrieden-Riet liegt nun ein weiterer Fundkomplex aus
dem Übergangsbereich zwischen Pfyner und Horgener Kultur
vor; er erleichtert Beurteilung zeitlich ähnlich positionierter
Fundkomplexe.
Einige Stationen aus jener Zeitspanne sind bereits bekannt,
gute Ausgangslagen sind aber eher die Ausnahme, so auch in
Oberrieden-Riet, wo die absolute Datierung bis auf weiteres
problematisch bleibt, da die meist jahrringarmen Hölzer
keine eindeutige dendrochronologische Datierung zulassen.
Ebenso wenig konnten C14-Analysen den Datierungsspielraum
genügend einschränken. Zudem stammt das Fundmaterial
nicht aus einer Flächengrabung, was dessen Einschätzung
erschwert.
Dennoch zeigt die Keramik Elemente, welche klar dafür
sprechen, den Fundkomplex zeitlich nach Arbon TG-Bleiche 3,
Sipplingen D-Osthafen Schicht 11 sowie Wädenswil ZH-Vorder
Au einzuordnen. Die Auswertung der Steinbeilklingen sowie
deren Produktionsabfälle erbrachte neue Ergebnisse zur
Verarbeitung des Rohmaterials und Verwendung der Klingen.
Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft
für Ur- und Frühgeschichte
87, 2004, 7–31.
Katrin Roth-Rubi, Verena Schaltenbrand
Obrecht, Martin Peter Schindler und Benedikt Zäch
Neue Sicht auf die «Walenseetürme»
Vollständige Fundvorlage und historische Interpretation
Unter dem Begriff «Walenseetürme» werden
die drei frührömischen Militäranlagen am Westende
des Walensees zusammengefasst: jene von Filzbach GL-Vor dem
Wald, jene von Amden SG-Betlis-Stralegg und jene von Schänis
SG-Biberlikopf. In Sichtverbindung zueinander liegen sie an
strategisch günstigen Positionen.
Alle drei Anlagen sind seit dem 19. Jh. bekannt und wurden
1959–62 unter der Leitung von Rudolf Laur-Belart ausgegraben,
publiziert und teilweise konserviert. Sie bestehen aus einem
turmartigen Bau mit charakteristischen Mauerabtreppungen sowie
einer Umfassungsmauer, welche einen ovalen oder rechteckigen
Hof umschliesst. Zwei «Türme» weisen im Erdgeschoss
eine Tankzisterne auf. In Innern der Höfe standen Fachwerkbauten.
Die Neusichtung des keramischen Fundmaterials durch K. Roth-Rubi
im Rahmen ihres Forschungsprojektes zur Terra Sigillata aus
dem Militärlager Dangstetten D erbrachte neue Erkenntnisse
zur zeitlichen Stellung der Keramik und damit auch zur Datierung
der Türme. Neu vorgelegt werden auch die Metall- und
Münzfunde. Besonders hinzuweisen ist auf die altertümlichen
Formen der gefundenen Pilumeisen.
Die schärfere Datierung der «Türme»
erlaubt nun auch eine verbesserte historische Einordnung sowie
revidierte Hypothesen zu ihrer Funktion. Sie gehören
ins 2. Jahrzehnt v.Chr. und sind im Zusammenhang mit den Vorbereitungen
und der Durchführung des Alpenfeldzuges von 15 v.Chr.
zu sehen. Die Anlagen waren nur kurze Zeit belegt und danach
definitiv verlassen.
Jahrbuch der Schweizerischen
Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
87, 2004, 33–70.
Ingrid R. Metzger
Roveredo GR-Tre Pilastri
Ausgrabungen des Rätischen Museums von 1965
Beim Bau der Nationalstrasse N13 wurden 1965 30 Gräber
aufgedeckt, die einst wohl zu einem grösseren Gräberfeld
gehört haben. Sie lagen eng beieinander auf einer lang
gezogenen Kiesbank, ständig dem Hochwasser der Moesa
ausgesetzt.
Es handelt es sich bei ihnen um 14 Körper- und 10 Brandbestattungen
des 2. Viertels des 1. bis frühen 2. Jh. n.Chr. Die übrigen
Gräber sind zerstört und grösstenteils ohne
Beigaben.
Erstaunlich sind in Roveredo-Tre Pilastri die frühen
Brandbestattungen, denn dieser Ritus war wohl im Sottoceneri
üblich, breitete sich aber im Sopraceneri, wo Körperbestattung
(z.B. Madrano) üblich war, erst gegen die Mitte des 1.
Jh. n.Chr. aus und setzte sich hier nie vollständig durch.
Zu den Grabbeigaben, die am Kopfende deponiert wurden und
in die Zeit zwischen ca. 30–120 n.Chr. zu datieren sind,
gehören insbesondere TS, Dünnwandkeramik, Henkelkrüge,
Glasgefässe, Trachtbestandteile, Schmuck sowie Münzen.
Fibelpaare und andere Fibeln lassen erkennen, dass die verstorbenen
Frauen in der einheimischen Tracht bestattet wurden. Unter
den Grabbeigaben findet sich auch das Rebmesser, das auf die
im südlichen Misox angebauten Reben weist.
Eine Ausrichtung der Sachkultur nach Süden, wobei die
Beigaben zeitlich hauptsächlich mit jenen der Tessiner
Gräber gleichzusetzen sind, ist unbestritten, eine Ausrichtung
nach Norden belegen jedoch auch die regionalen Misoxer Fibeln.
Ein weiteres Indiz für alpenländische Tradition
sind die in Graubünden seit der Bronzezeit beliebten
Bernsteinperlen.
Die Nekropole von Roveredo-Tre Pilastri dürfte zu einer
in der Nähe gelegenen römischen Villa gehört
haben, über die aber nur Ausgrabungen Aufschluss geben
werden.
Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft
für Ur- und Frühgeschichte
87, 2004, 71-116.
Marina Bernasconi Reusser, Christoph
Reusser, Danielle Decrouez
con la collaborazione di Jacqueline Schmid
Analisi di marmi bianchi provenienti da contesti archeologici
del Canton Ticino
Marmor, ein kristalliner metamorpher Kalkstein, dient seit
der Antike als besonders geschätztes Material für
die Herstellung von Skulpturen und für aufwendige und
teure Ausstattung in der Architektur. Wir kennen weisse und
farbige Marmore unterschiedlicher Qualität, die schon
in der Antike, besonders in der Römerzeit, in zahlreichen
Steinbrüchen im gesamten Mittelmeerraum abgebaut worden
sind. Besonders berühmt waren die Marmore aus Griechenland,
Kleinasien und Italien. Die präzise Herkunftsbestimmung
antiker Marmore (und auch anderer Gesteinsarten) ist für
die Archäologie in einem grösseren kulturgeschichtlichen
Zusammenhang und für die Handelsgeschichte von Interesse.
Während die Herkunft farbiger Marmore in der Regel von
blossem Auge genau bestimmt werden kann, müssen für
eine genaue Identifizierung weisser und hellgrauer Marmore
naturwissenschaftliche Untersuchungen herangezogen werden.
Im Rahmen des vorliegenden Beitrags kamen drei Methoden zur
Anwendung: die Kathodolumineszenzanalyse, die Petrographie
und die Bestimmung ausgewählter stabiler Sauerstoff-
und Kohlenstoffisotopen. Untersucht wurden Gesteinsproben
von ausgewählten Denkmälern römischer, frühmittelalterlicher
und romanischer Zeit von verschiedenen Fundorten im Kanton
Tessin.
Die naturwissenschaftlichen Analysen ergaben für alle
Marmorelemente - mit Ausnahme der beiden Kapitelle —
des kleinen zweisäuligen Tempels aus dem 2. Jh. n.Chr.
von Bioggio und den zugehörigen Altar eine Herkunft des
Steins aus den Brüchen bei Musso am Comer See. Die korinthischen
Kapitelle sind dagegen aus dem bekannten prokonnesischen Marmor
von der Insel Marmara (Türkei) gearbeitet. Die drei Teile
des frühmittelalterlichen Altars in der Kirche von San
Martino bei Sonvico, darunter eine wiederverwendete römische
Inschrift, bestehen aus Marmoren verschiedener Provenienz:
Musso, Prokonnesos (Türkei) und vielleicht Paros (Griechenland).
Für die römischen, frühmittelalterlichen und
romanischen Elemente (Inschriften, Baudekor, liturgische Ausstattung)
aus Muralto (Kirche von San Vittore) hat man ebenfalls Gesteine
unterschiedlicher Herkunft verwendet, die aber alle aus dem
südalpinen Raum, in einem Fall aus Musso, stammen.
Allgemein können wir für das Tessin feststellen,
dass in römischer Zeit der Marmor von Musso dominierte,
dass man aber für bestimmte Werkstücke von weither
importierte Ware bevorzugte. Im frühen Mittelalter findet
dann eine gewisse Veränderung statt, wobei nebst der
Wiederverwendung älterer Elemente auch neue, in der Nähe
gelegene Marmorbrüche ausgebeutet wurden. Für die
Zeit kurz nach der Jahrtausendwende können wir einen
Marmorhandel über weite Distanzen, wie er für die
Antike (und die frühbyzantinische Zeit) charakteristisch
gewesen ist, nicht mehr nachweisen. Man war damals gezwungen,
sich auf den in der Nähe gebrochenen Marmor zu beschränken,
auch wenn dessen Qualität nicht erstklassig ist.
Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft
für Ur- und Frühgeschichte
87, 2004, 117-139.
Beat Horisberger und Annamaria Matter
Vom römischen Gutshof zur mittelalterlichen Siedlung
Zwei frühmittelalterliche Grubenhäuser und weitere
mittelalterliche Befunde im römischen Gutshof Dällikon
ZH
In den Jahren 2000 und 2002 musste die Kantonsarchäologie
Zürich im alten Dorfkern von Dällikon zwei durch
Bauvorhaben ausgelöste Grabungen durchführen, bei
welchen neben Baubefunden des römischen Gutshofs auch
Pfostengruben von Holzbauten der hoch- und spätmittelalterlichen
Siedlung freigelegt und dokumentiert wurden. Bemerkenswert
sind die Reste aus dem Frühmittelalter, denn Siedlungsspuren
aus der Zeitspanne 6.–10. Jh. sind bislang im schweizerischen
Mittelland noch selten.
Vom erwähnten römischen Gutshof wurde erstmals
eine wohl einem Kult dienenden Baute und ein Steingebäude
aus dem Wirtschaftsteil der Anlage untersucht.
Zwei Grubenhäuser sowie Überreste ebenerdiger
Holzbauten, aber auch das Fundmaterial und zwei leider gestörte
Bestattungen weisen darauf hin, dass das Areal wahrscheinlich
nach einem kurzen Unterbruch im 4./5. Jh. vom 6. bis mindestens
ins 14. Jh. kontinuierlich besiedelt war.
Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft
für Ur- und Frühgeschichte
87, 2004, 141-162.
Beat Horisberger, Katharina Müller,
Andreas Cueni, Antoinette Rast-Eicher
Bestattungen des 6./7. Jh. aus dem früh- bis spätmittelalterlichen
Gräberfeld Baar ZG-Zugerstrasse
Im Zusammenhang mit der Sanierung der Zentrumsstrassen in
Baar wurden 1998 beim Abtiefen zweier Leitungsgräben
in der Zugerstrasse zahlreiche Bestattungen angeschnitten.
Im Verlauf der 14-tägigen Untersuchungen wurden insgesamt
56 Gräber dokumentiert. Da der zur Verfügung stehende
Zeitraum sehr begrenzt war, konnte lediglich ein Drittel der
Gräber mehr oder weniger vollständig ausgegraben
und dokumentiert werden. Anthropologisch sind 68 Individuen
belegt.
Aufgrund der Analyse des Befundes, der zum Teil gefassten
Grabbeigaben bzw. vereinzelter Funde aus den Grabverfüllungen
und gezielter C14-Datierungen ist davon auszugehen, dass im
Areal östlich der Pfarrkirche St. Martin spätestens
im 6. Jh. die ersten Gräber angelegt und dass bis mindestens
ins 14. Jh. bestattet wurde. Im Zentrum des vorliegenden Aufsatzes
stehen 25 Bestattungen des 6./7. Jh. Dazu gehört auch
ein bereits 1997 beim Restaurant Freihof zum Vorschein gekommenes
Grab.
Jahrbuch SGUF 87, 2004, 163-214
Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft
für Ur- und Frühgeschichte
87, 2004, 162-214.
Markus Roth und Renata Windler
Zum früh- und hochmittelalterlichen Oberwinterthur:
Eine Ausgrabung am Fuss des Kirchhügel
Im Jahr 2002 wurden in Oberwinterthur erstmals grossflächig
früh- und hochmittelalterliche Siedlungsbefunde dokumentiert.
In dem am Rietbach gelegenen Areal Bättmur am Fuss des
Kirchhügels und der Römerstrasse fanden sich neben
17 Grubenhäusern zahlreiche Pfostenstellungen ebenerdiger
Bauten und verschiedene Siedlungsgruben.
Unter den Funden ist römisches Material am zahlreichsten
vertreten, in der Regel aber sehr klein fragmentiert. Besser
erhalten ist das allerdings spärliche Fundmaterial des
5.–12. Jh. Das untersuchte Areal wurde wohl ab dem 7.
Jh. überbaut. Die zahlreichen Überschneidungen der
Befunde zeugen von einer über fünf bis sechs Jahrhunderte
andauernden intensiven Nutzung.
Unter den Spuren ebenerdiger Gebäude sind zwei Pfostenbauten
hervorzuheben. Bei den Grubenhäusern finden sich die
geläufigen Typen von Zwei , Vier- und Sechspfostenbau
sowie ein Pfostenbau mit Schwellriegeln. In einzelnen Grubenhäusern
sind Standspuren von Senkrechtwebstühlen nachgewiesen,
und einige Funde belegen die Textilherstellung und verarbeitung.
Feuerstellen in einem Pfostenbau weisen daraufhin, dass auf
dem Gelände zumindest zeitweise gewohnt wurde.
Das Siedlungszentrum hingegen ist im Mittelalter wie bereits
in römischer Zeit auf dem Kirchhügel zu lokalisieren.
Dort bestand bereits im Frühmittelalter eine allerdings
nur in Spuren nachgewiesene Kirche.
Die archäologischen Forschungen zu Oberwinterthurs
in nachrömischer Zeit stecken indes noch in den Anfängen.
Über die römische Zeit hinweg dürfte hier kontinuierlich
ein Siedlungsschwerpunkt fortbestanden haben, neben dem sich
wohl bereits im Frühmittelalter ein zweites Zentrum herausbildete.
Daraus entwickelte sich im Hochmittelalter die Stadt Winterthur,
die dem älteren Oberwinterthur spätestens ab 1200
endgültig den Rang abgelaufen hatte.
Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft
für Ur- und Frühgeschichte
87, 2004, 215-253.
Erika Gobet, Peter A. Hochuli,
Brigitta Ammann, Willy Tinner
Vom Urwald zur Kulturlandschaft des Oberengadins
Vegetationsgeschichte der letzten 6200 Jahre
Aufgrund der Untersuchung von Pollen, pflanzlichen
Makrofossilien und organischen Sedimentpartikeln (z.B.
Holzkohle) in zwei Oberengadiner Seen wird die Vegetationsentwicklung
der letzten 6200 Jahre rekonstruiert und im Licht der
Entwicklung menschlicher Einflussnahme betrachtet. Der
zeitliche Ablauf der Vegetationsveränderungen beruht
auf 38 C14-Datierungen terrestrischer Makroreste aus
zwei Sedimentkernen.
Die paläobotanischen Daten aus dem St. Moritzer
See (Lej da San Murezzan) zeigen für die Zeit von
4200 bis ca. 3550 v.Chr. eine natürliche Waldvegetation
bestehend aus Fichte (Picea), Wald- resp. Bergföhre
(Pinus sylvestris/P. mugo), Arve (Pinus cembra) und
Lärche (Larix decidua). Palynologische Kulturzeiger
belegen erste Spuren neolithischer Veränderungen
dieser Vegetation in der Zeit um ca. 3500 v.Chr.
Eine tiefgreifende Vegetationsveränderung ist
für die frühe Bronzezeit, um 2000 v.Chr. zu
belegen. Die menschliche Besiedlung führte zu einer
ausgeprägten Auflockerung des Waldes mit massiver
Zunahme der Weide- und Kulturzeiger (z.B. Getreide,
Rumex acetosella, Plantago lanceolata, Urtica, Cichorioideae)
sowie einer starken Ausbreitung der Grünerle (Alnus
viridis) und der Lärche (Larix decidua).
Die Vegetationsentwicklung und die Verteilung von Holzkohlepartikeln
in den Sedimenten weisen auf Waldbrände hin. Das
Zurückdrängen des Waldes erfolgte in verschiedenen
Phasen, die sich mit Besiedlungs- oder Kulturphasen
erklären lassen. Der stärkste Rückgang
des Waldes fällt ins Mittelalter (ab ca. 800 n.Chr.).
In den letzten 200 Jahren nimmt die Baumvegetation vermutlich
als Folge eines Nutzungsrückgangs wieder zu.
Die ausgeprägtesten Veränderungen der Vegetation
fallen mit Epochengrenzen zusammen, was sich mit technologischen
Erneuerungen oder möglicherweise mit Einwanderungsphasen
erklären lässt.
Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft
für Ur- und Frühgeschichte
87, 2004, 255-270.
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