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  Zusammenfassungen des Jahrbuches Nr. 87 (2004)

 

 
   

Ursula Hügi und Christine Michel-Tobler
Oberrieden ZH-Riet - eine frühhorgenzeitliche Siedlung

     

Katrin Roth-Rubi, Verena Schaltenbrand Obrecht, Martin Peter Schindler und Benedikt Zäch
Neue Sicht auf die «Walenseetürme»
Vollständige Fundvorlage und historische Interpretation

     
 

Ingrid R. Metzger
Roveredo GR-Tre Pilastri
Ausgrabungen des Rätischen Museums von 1965

     
 

Marina Bernasconi Reusser, Christoph Reusser, Danielle Decrouez
con la collaborazione di Jacqueline Schmid
Analisi di marmi bianchi provenienti da contesti archeologici del Canton Ticino

     
 

Beat Horisberger und Annamaria Matter
Vom römischen Gutshof zur mittelalterlichen Siedlung
Zwei frühmittelalterliche Grubenhäuser und weitere mittelalterliche Befunde im römischen Gutshof Dällikon ZH

     
 

Beat Horisberger, Katharina Müller, Andreas Cueni, Antoinette Rast-Eicher
Bestattungen des 6./7. Jh. aus dem früh- bis spätmittelalterlichen Gräberfeld Baar ZG-Zugerstrasse

     
 

Markus Roth und Renata Windler
Zum früh- und hochmittelalterlichen Oberwinterthur: Eine Ausgrabung am Fuss des Kirchhügel

     

Erika Gobet, Peter A. Hochuli, Brigitta Ammann, Willy Tinner

Vom Urwald zur Kulturlandschaft des Oberengadins
Vegetationsgeschichte der letzten 6200 Jahre

 

Ursula Hügi und Christine Michel-Tobler

Oberrieden ZH-Riet — eine frühhorgenzeitliche Siedlung


Die Seeufersiedlung Oberrieden ZH-Riet, mit Fundmaterial aus dem Übergangsbereich zwischen Pfyn und Horgen, bringt neue Erkenntnisse zur typologischen Entwicklung in dieser noch lückenhaft erforschten Zeitspanne.

Die frühhorgenzeitliche Fundstelle wurde bereits im Jahr 1969 entdeckt, seither wurden dort mehrere, kleinere Untersuchungen durchgeführt. Bei der letzten Aktion, im Jahr 2001, wurde ein grösseres Fundensemble geborgen, was den Anlass zu dieser Auswertung gab. Mit dem Material von Oberrieden-Riet liegt nun ein weiterer Fundkomplex aus dem Übergangsbereich zwischen Pfyner und Horgener Kultur vor; er erleichtert Beurteilung zeitlich ähnlich positionierter Fundkomplexe.

Einige Stationen aus jener Zeitspanne sind bereits bekannt, gute Ausgangslagen sind aber eher die Ausnahme, so auch in Oberrieden-Riet, wo die absolute Datierung bis auf weiteres problematisch bleibt, da die meist jahrringarmen Hölzer keine eindeutige dendrochronologische Datierung zulassen. Ebenso wenig konnten C14-Analysen den Datierungsspielraum genügend einschränken. Zudem stammt das Fundmaterial nicht aus einer Flächengrabung, was dessen Einschätzung erschwert.

Dennoch zeigt die Keramik Elemente, welche klar dafür sprechen, den Fundkomplex zeitlich nach Arbon TG-Bleiche 3, Sipplingen D-Osthafen Schicht 11 sowie Wädenswil ZH-Vorder Au einzuordnen. Die Auswertung der Steinbeilklingen sowie deren Produktionsabfälle erbrachte neue Ergebnisse zur Verarbeitung des Rohmaterials und Verwendung der Klingen.

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
87, 2004, 7–31.

 


Katrin Roth-Rubi, Verena Schaltenbrand Obrecht, Martin Peter Schindler und Benedikt Zäch

Neue Sicht auf die «Walenseetürme»
Vollständige Fundvorlage und historische Interpretation


Unter dem Begriff «Walenseetürme» werden die drei frührömischen Militäranlagen am Westende des Walensees zusammengefasst: jene von Filzbach GL-Vor dem Wald, jene von Amden SG-Betlis-Stralegg und jene von Schänis SG-Biberlikopf. In Sichtverbindung zueinander liegen sie an strategisch günstigen Positionen.

Alle drei Anlagen sind seit dem 19. Jh. bekannt und wurden 1959–62 unter der Leitung von Rudolf Laur-Belart ausgegraben, publiziert und teilweise konserviert. Sie bestehen aus einem turmartigen Bau mit charakteristischen Mauerabtreppungen sowie einer Umfassungsmauer, welche einen ovalen oder rechteckigen Hof umschliesst. Zwei «Türme» weisen im Erdgeschoss eine Tankzisterne auf. In Innern der Höfe standen Fachwerkbauten.

Die Neusichtung des keramischen Fundmaterials durch K. Roth-Rubi im Rahmen ihres Forschungsprojektes zur Terra Sigillata aus dem Militärlager Dangstetten D erbrachte neue Erkenntnisse zur zeitlichen Stellung der Keramik und damit auch zur Datierung der Türme. Neu vorgelegt werden auch die Metall- und Münzfunde. Besonders hinzuweisen ist auf die altertümlichen Formen der gefundenen Pilumeisen.

Die schärfere Datierung der «Türme» erlaubt nun auch eine verbesserte historische Einordnung sowie revidierte Hypothesen zu ihrer Funktion. Sie gehören ins 2. Jahrzehnt v.Chr. und sind im Zusammenhang mit den Vorbereitungen und der Durchführung des Alpenfeldzuges von 15 v.Chr. zu sehen. Die Anlagen waren nur kurze Zeit belegt und danach definitiv verlassen.

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
87, 2004, 33–70.

 


Ingrid R. Metzger

Roveredo GR-Tre Pilastri
Ausgrabungen des Rätischen Museums von 1965


Beim Bau der Nationalstrasse N13 wurden 1965 30 Gräber aufgedeckt, die einst wohl zu einem grösseren Gräberfeld gehört haben. Sie lagen eng beieinander auf einer lang gezogenen Kiesbank, ständig dem Hochwasser der Moesa ausgesetzt.
Es handelt es sich bei ihnen um 14 Körper- und 10 Brandbestattungen des 2. Viertels des 1. bis frühen 2. Jh. n.Chr. Die übrigen Gräber sind zerstört und grösstenteils ohne Beigaben.

Erstaunlich sind in Roveredo-Tre Pilastri die frühen Brandbestattungen, denn dieser Ritus war wohl im Sottoceneri üblich, breitete sich aber im Sopraceneri, wo Körperbestattung (z.B. Madrano) üblich war, erst gegen die Mitte des 1. Jh. n.Chr. aus und setzte sich hier nie vollständig durch.

Zu den Grabbeigaben, die am Kopfende deponiert wurden und in die Zeit zwischen ca. 30–120 n.Chr. zu datieren sind, gehören insbesondere TS, Dünnwandkeramik, Henkelkrüge, Glasgefässe, Trachtbestandteile, Schmuck sowie Münzen. Fibelpaare und andere Fibeln lassen erkennen, dass die verstorbenen Frauen in der einheimischen Tracht bestattet wurden. Unter den Grabbeigaben findet sich auch das Rebmesser, das auf die im südlichen Misox angebauten Reben weist.

Eine Ausrichtung der Sachkultur nach Süden, wobei die Beigaben zeitlich hauptsächlich mit jenen der Tessiner Gräber gleichzusetzen sind, ist unbestritten, eine Ausrichtung nach Norden belegen jedoch auch die regionalen Misoxer Fibeln. Ein weiteres Indiz für alpenländische Tradition sind die in Graubünden seit der Bronzezeit beliebten Bernsteinperlen.

Die Nekropole von Roveredo-Tre Pilastri dürfte zu einer in der Nähe gelegenen römischen Villa gehört haben, über die aber nur Ausgrabungen Aufschluss geben werden.

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
87, 2004, 71-116.

 


Marina Bernasconi Reusser, Christoph Reusser, Danielle Decrouez
con la collaborazione di Jacqueline Schmid

Analisi di marmi bianchi provenienti da contesti archeologici del Canton Ticino

Marmor, ein kristalliner metamorpher Kalkstein, dient seit der Antike als besonders geschätztes Material für die Herstellung von Skulpturen und für aufwendige und teure Ausstattung in der Architektur. Wir kennen weisse und farbige Marmore unterschiedlicher Qualität, die schon in der Antike, besonders in der Römerzeit, in zahlreichen Steinbrüchen im gesamten Mittelmeerraum abgebaut worden sind. Besonders berühmt waren die Marmore aus Griechenland, Kleinasien und Italien. Die präzise Herkunftsbestimmung antiker Marmore (und auch anderer Gesteinsarten) ist für die Archäologie in einem grösseren kulturgeschichtlichen Zusammenhang und für die Handelsgeschichte von Interesse.

Während die Herkunft farbiger Marmore in der Regel von blossem Auge genau bestimmt werden kann, müssen für eine genaue Identifizierung weisser und hellgrauer Marmore naturwissenschaftliche Untersuchungen herangezogen werden. Im Rahmen des vorliegenden Beitrags kamen drei Methoden zur Anwendung: die Kathodolumineszenzanalyse, die Petrographie und die Bestimmung ausgewählter stabiler Sauerstoff- und Kohlenstoffisotopen. Untersucht wurden Gesteinsproben von ausgewählten Denkmälern römischer, frühmittelalterlicher und romanischer Zeit von verschiedenen Fundorten im Kanton Tessin.

Die naturwissenschaftlichen Analysen ergaben für alle Marmorelemente - mit Ausnahme der beiden Kapitelle — des kleinen zweisäuligen Tempels aus dem 2. Jh. n.Chr. von Bioggio und den zugehörigen Altar eine Herkunft des Steins aus den Brüchen bei Musso am Comer See. Die korinthischen Kapitelle sind dagegen aus dem bekannten prokonnesischen Marmor von der Insel Marmara (Türkei) gearbeitet. Die drei Teile des frühmittelalterlichen Altars in der Kirche von San Martino bei Sonvico, darunter eine wiederverwendete römische Inschrift, bestehen aus Marmoren verschiedener Provenienz: Musso, Prokonnesos (Türkei) und vielleicht Paros (Griechenland). Für die römischen, frühmittelalterlichen und romanischen Elemente (Inschriften, Baudekor, liturgische Ausstattung) aus Muralto (Kirche von San Vittore) hat man ebenfalls Gesteine unterschiedlicher Herkunft verwendet, die aber alle aus dem südalpinen Raum, in einem Fall aus Musso, stammen.

Allgemein können wir für das Tessin feststellen, dass in römischer Zeit der Marmor von Musso dominierte, dass man aber für bestimmte Werkstücke von weither importierte Ware bevorzugte. Im frühen Mittelalter findet dann eine gewisse Veränderung statt, wobei nebst der Wiederverwendung älterer Elemente auch neue, in der Nähe gelegene Marmorbrüche ausgebeutet wurden. Für die Zeit kurz nach der Jahrtausendwende können wir einen Marmorhandel über weite Distanzen, wie er für die Antike (und die frühbyzantinische Zeit) charakteristisch gewesen ist, nicht mehr nachweisen. Man war damals gezwungen, sich auf den in der Nähe gebrochenen Marmor zu beschränken, auch wenn dessen Qualität nicht erstklassig ist.

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
87, 2004, 117-139.

 


Beat Horisberger und Annamaria Matter

Vom römischen Gutshof zur mittelalterlichen Siedlung

Zwei frühmittelalterliche Grubenhäuser und weitere mittelalterliche Befunde im römischen Gutshof Dällikon ZH

In den Jahren 2000 und 2002 musste die Kantonsarchäologie Zürich im alten Dorfkern von Dällikon zwei durch Bauvorhaben ausgelöste Grabungen durchführen, bei welchen neben Baubefunden des römischen Gutshofs auch Pfostengruben von Holzbauten der hoch- und spätmittelalterlichen Siedlung freigelegt und dokumentiert wurden. Bemerkenswert sind die Reste aus dem Frühmittelalter, denn Siedlungsspuren aus der Zeitspanne 6.–10. Jh. sind bislang im schweizerischen Mittelland noch selten.

Vom erwähnten römischen Gutshof wurde erstmals eine wohl einem Kult dienenden Baute und ein Steingebäude aus dem Wirtschaftsteil der Anlage untersucht.

Zwei Grubenhäuser sowie Überreste ebenerdiger Holzbauten, aber auch das Fundmaterial und zwei leider gestörte Bestattungen weisen darauf hin, dass das Areal wahrscheinlich nach einem kurzen Unterbruch im 4./5. Jh. vom 6. bis mindestens ins 14. Jh. kontinuierlich besiedelt war.

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
87, 2004, 141-162.

 


Beat Horisberger, Katharina Müller, Andreas Cueni, Antoinette Rast-Eicher

Bestattungen des 6./7. Jh. aus dem früh- bis spätmittelalterlichen Gräberfeld Baar ZG-Zugerstrasse

Im Zusammenhang mit der Sanierung der Zentrumsstrassen in Baar wurden 1998 beim Abtiefen zweier Leitungsgräben in der Zugerstrasse zahlreiche Bestattungen angeschnitten. Im Verlauf der 14-tägigen Untersuchungen wurden insgesamt 56 Gräber dokumentiert. Da der zur Verfügung stehende Zeitraum sehr begrenzt war, konnte lediglich ein Drittel der Gräber mehr oder weniger vollständig ausgegraben und dokumentiert werden. Anthropologisch sind 68 Individuen belegt.

Aufgrund der Analyse des Befundes, der zum Teil gefassten Grabbeigaben bzw. vereinzelter Funde aus den Grabverfüllungen und gezielter C14-Datierungen ist davon auszugehen, dass im Areal östlich der Pfarrkirche St. Martin spätestens im 6. Jh. die ersten Gräber angelegt und dass bis mindestens ins 14. Jh. bestattet wurde. Im Zentrum des vorliegenden Aufsatzes stehen 25 Bestattungen des 6./7. Jh. Dazu gehört auch ein bereits 1997 beim Restaurant Freihof zum Vorschein gekommenes Grab.
Jahrbuch SGUF 87, 2004, 163-214

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
87, 2004, 162-214.

 


Markus Roth und Renata Windler

Zum früh- und hochmittelalterlichen Oberwinterthur:

Eine Ausgrabung am Fuss des Kirchhügel

Im Jahr 2002 wurden in Oberwinterthur erstmals grossflächig früh- und hochmittelalterliche Siedlungsbefunde dokumentiert. In dem am Rietbach gelegenen Areal Bättmur am Fuss des Kirchhügels und der Römerstrasse fanden sich neben 17 Grubenhäusern zahlreiche Pfostenstellungen ebenerdiger Bauten und verschiedene Siedlungsgruben.

Unter den Funden ist römisches Material am zahlreichsten vertreten, in der Regel aber sehr klein fragmentiert. Besser erhalten ist das allerdings spärliche Fundmaterial des 5.–12. Jh. Das untersuchte Areal wurde wohl ab dem 7. Jh. überbaut. Die zahlreichen Überschneidungen der Befunde zeugen von einer über fünf bis sechs Jahrhunderte andauernden intensiven Nutzung.

Unter den Spuren ebenerdiger Gebäude sind zwei Pfostenbauten hervorzuheben. Bei den Grubenhäusern finden sich die geläufigen Typen von Zwei , Vier- und Sechspfostenbau sowie ein Pfostenbau mit Schwellriegeln. In einzelnen Grubenhäusern sind Standspuren von Senkrechtwebstühlen nachgewiesen, und einige Funde belegen die Textilherstellung und verarbeitung. Feuerstellen in einem Pfostenbau weisen daraufhin, dass auf dem Gelände zumindest zeitweise gewohnt wurde.

Das Siedlungszentrum hingegen ist im Mittelalter wie bereits in römischer Zeit auf dem Kirchhügel zu lokalisieren. Dort bestand bereits im Frühmittelalter eine allerdings nur in Spuren nachgewiesene Kirche.

Die archäologischen Forschungen zu Oberwinterthurs in nachrömischer Zeit stecken indes noch in den Anfängen. Über die römische Zeit hinweg dürfte hier kontinuierlich ein Siedlungsschwerpunkt fortbestanden haben, neben dem sich wohl bereits im Frühmittelalter ein zweites Zentrum herausbildete. Daraus entwickelte sich im Hochmittelalter die Stadt Winterthur, die dem älteren Oberwinterthur spätestens ab 1200 endgültig den Rang abgelaufen hatte.

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
87, 2004, 215-253.

 


Erika Gobet, Peter A. Hochuli, Brigitta Ammann, Willy Tinner

Vom Urwald zur Kulturlandschaft des Oberengadins
Vegetationsgeschichte der letzten 6200 Jahre

Aufgrund der Untersuchung von Pollen, pflanzlichen Makrofossilien und organischen Sedimentpartikeln (z.B. Holzkohle) in zwei Oberengadiner Seen wird die Vegetationsentwicklung der letzten 6200 Jahre rekonstruiert und im Licht der Entwicklung menschlicher Einflussnahme betrachtet. Der zeitliche Ablauf der Vegetationsveränderungen beruht auf 38 C14-Datierungen terrestrischer Makroreste aus zwei Sedimentkernen.

Die paläobotanischen Daten aus dem St. Moritzer See (Lej da San Murezzan) zeigen für die Zeit von 4200 bis ca. 3550 v.Chr. eine natürliche Waldvegetation bestehend aus Fichte (Picea), Wald- resp. Bergföhre (Pinus sylvestris/P. mugo), Arve (Pinus cembra) und Lärche (Larix decidua). Palynologische Kulturzeiger belegen erste Spuren neolithischer Veränderungen dieser Vegetation in der Zeit um ca. 3500 v.Chr.

Eine tiefgreifende Vegetationsveränderung ist für die frühe Bronzezeit, um 2000 v.Chr. zu belegen. Die menschliche Besiedlung führte zu einer ausgeprägten Auflockerung des Waldes mit massiver Zunahme der Weide- und Kulturzeiger (z.B. Getreide, Rumex acetosella, Plantago lanceolata, Urtica, Cichorioideae) sowie einer starken Ausbreitung der Grünerle (Alnus viridis) und der Lärche (Larix decidua).

Die Vegetationsentwicklung und die Verteilung von Holzkohlepartikeln in den Sedimenten weisen auf Waldbrände hin. Das Zurückdrängen des Waldes erfolgte in verschiedenen Phasen, die sich mit Besiedlungs- oder Kulturphasen erklären lassen. Der stärkste Rückgang des Waldes fällt ins Mittelalter (ab ca. 800 n.Chr.). In den letzten 200 Jahren nimmt die Baumvegetation vermutlich als Folge eines Nutzungsrückgangs wieder zu.

Die ausgeprägtesten Veränderungen der Vegetation fallen mit Epochengrenzen zusammen, was sich mit technologischen Erneuerungen oder möglicherweise mit Einwanderungsphasen erklären lässt.

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
87, 2004, 255-270.

 

 

 
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