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  Zusammenfassungen des Jahrbuches Nr. 86 (2003)

 

 
   

Andrea Schaer
Untersuchungen zum prähistorischen Bergbau im Oberhalbstein (Kanton Graubünden)

     

Ursula Gnepf Horisberger
Die bronze- und hallstattzeitliche Fundstelle Baar ZG-Martinspark

     
 

Yves Dubois, Claude-Alain Paratte, Susan Ebbutt
Yvonand-Mordagne, pars urbana sud: établissement précoce et peintures du IIIe style

     
 

Claude Rapin
La Suisse et l'arc alpin dans la carte de Ptolémée
Sur Aventicum-Forum Tiberii

     

Jean-Daniel Demarez
Un bâtiment en pierre du 7e s. à Porrentruy (JU)
Nouvelles données archéologiques dans le Jura mérovingien
Avec une contribution de Claude Olive

 

Andrea Schaer

Untersuchungen zum prähistorischen Bergbau im Oberhalbstein (Kanton Graubünden)

 

Im bündnerischen Oberhalbstein sind mindestens 23 Kupfervererzungen bekannt. Zehn von ihnen wurden im Mittelalter und in der Neuzeit abgebaut. Nicht in historische Zeit datierte Pingen, Halden, Tagbaue und Stollen bezeugen wahrscheinlich einen prähistorischen Bergbau an vier Lagerstätten.

Von 59 Fundstellen liegen prähistorische Kupferverhüttungsschlacken vor, zwölf davon lieferten zusätzlich Gebläsedüsenfragmente und damit den Beweis für das Vorhandensein von Verhüttungsöfen, die es noch zu finden gilt.

Von 55 Fundorten wurden 8578 Schlacken makroskopisch untersucht und anhand ihrer Dicke in sieben Typen unterteilt. Aufgrund der Anteile der verschiedenen Schlackentypen lassen sich die Schlackenfundstellen in abermals sieben Typen eingeteilen, diejeweils eine charakteristische regionale Verbreitung aufweisen: im nördlichen Teil des Oberhalbsteins überwiegen Fundkomplexe mit vielen Schlacken von 2.5 mm bis zu 10 mm Dicke, im südlichen Talteil dominieren Ensembles mit einem grossen Anteil an Schlacken von mehr als 10 mm Dicke. Dieser Unterschied gründet in der regional verschiedenen Qualität des verhütteten Erzes und dem dadurch bedingten, jedoch erst teilweise rekonstruierbaren unterschiedlichen Verhüttungsprozess.

Von zehn Fundstellen liegen zwölf C14-Datierungen vor: Vier Daten fallen in die Spätbronzezeit, sechs in die ältere Eisenzeit und je eines in den Übergang von der Mittel- zur Spätbronzezeit bzw. in die jüngere Eisenzeit. In den Daten deutet sich eine Entwicklung an: Die Fundstellen im oberen Teil des Oberhalbsteins beginnen früher — hier wurden die relativ einfach zu verarbeitenden Serpentinitvorkommen des Piz Toissa verarbeitet. Erst mit der späteren, ausgefeilteren Hüttentechnik liessen sich die Meta-Pillow Laven im unteren Talteil verarbeiten.

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Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
86, 2003, 7–54.

 


Ursula Gnepf Horisberger

Die bronze- und hallstattzeitliche Fundstelle Baar ZG-Martinspark

 

Bereits in den 1940-er Jahren sammelte der Baarer Totengräber im Bereich des damaligen Friedhofs etliche spätbronze- und hallstattzeitliche Scherben auf. Der Bau eines Altersheims veranlasste dann die Kantonsarchäologie Zug in den Jahren 1990–1993 eine archäologische Untersuchung auf dem Gelände durchzuführen.

Die rund 8300 in Baar-Martinspark geborgenen Keramikscherben stammen weitgehend aus zwei, 50–70 cm bzw. bis zu 25 cm mächtigen, übereinanderliegenden feinsandig-siltigen Schichten, die stellenweise durch einen Geröllschleier getrennt wurden, ansonsten aber von Auge nicht zu unterscheiden waren.

Eine Trennung der Funde nach Schichten war nicht möglich. Mit Hilfe einer Unterteilung der Funde in fünf Abstichkomplexe konnten dennoch Tendenzen bezüglich der Verteilung der Scherben im Boden herausgearbeitet werden.

Anhand typologischer sowie materialtechnischer Kriterien konnte die hallstattzeitliche Keramik in die Zeit von Ha C bis an den Anfang von Ha D, also grob ins 7. Jh. v.Chr. datiert werden. Das spätbronzezeitliche Keramikmaterial lässt sich schwerpunktmässig in Ha B2spät, also etwa in die 2. Hälfte des 10. Jh. v.Chr. datieren. Einige wenige Ha B1-zeitliche Elemente lassen eine frühere menschliche Präsenz nicht ausschliessen.

Aufgrund der horizontalstratigraphischen Verteilung der Materialgruppen, sowie anhand der Verzierungen und der Randformen, konnten zudem einige mittelbronzezeitliche Keramikscherben ausgesondert werden. Sie können mit Vorbehalt in den Übergangsbereich MBZ/BZ D, also in die 1. Hälfte des 13. Jh. v.Chr. datiert werden.

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
86, 2003, 55–113.

 


Yves Dubois, Claude-Alain Paratte, Susan Ebbutt

Yvonand-Mordagne, pars urbana sud: établissement précoce et peintures du IIIe style

Die Waadtländer Kantonsarchäologie führte im üblicherweise Pars urbana Süd genannten Teil der Villa von Yvonand-Mordagne Grabungen durch, die neue Erkenntnisse zur Entwicklung des Guts erbrachten. Anhand der Strukturen und der Stratigraphie lässt sich nachweisen, dass dieser Teil der Anlage ab spätaugusteischer Zeit errichtet am Ende des 2. Jh. abgerissen wurde, zu einem Zeitpunkt, als die Pars urbana Nord wesentlich vergrössert und umgebaut wurde.

Wandmalereifragmente aus der Abbruchschicht vermitteln selbst in ihrem schlechten Erhaltungszustand noch einen Eindruck davon, wie reich das Anwesen geschmückt war. Die ausserordentliche Feinheit der Motive und die Wahl der Farben für die grossen, monochromen Flächen sprechen für eine Datierung in tiberisch-claudische Zeit, spätestens in die Zeit zwischen 35 und 45 n.Chr.

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Annuaire de la Société Suisse de Préhistoire et d'Archéologie
86, 2003, 115–136.

 


Claude Rapin

La Suisse et l'arc alpin dans la carte de Ptolémée
Sur Aventicum-Forum Tiberii

Die im 2. Jh. n.Chr. vom alexandrinischen Geographen Ptolemaios kompilierte Weltkarte weist einige Eigentümlichkeiten auf: Saone und Doubs fliessen hier zwischen Jura und Genfersee, die Jurahöhen trennen die im Norden angesiedelten Helvetiern und von den im Süden lokalisierter Sequanern und nördlich von Aventicum liegt eine Stadt namens Forum Tiberii.

Wie schon vor Jahren vorgeschlagen, könnten die beiden Städtenamen die gleiche Ortschaft bezeichnen. Dafür sprechen nun auch neue Erkenntnisse zum Werk des Ptolemaios: Es gelang, dem Gelehrten einen systematischen Fehler nachzuweisen, der immer wieder und in den Karten zu allen drei ihm bekannten Kontinenten auftritt. Überträgt man die Resultate von Vergleichen zu weit auseinander liegenden Regionen auf das nördliche Alpenvorland, versteht man besser, wie Ptolemaios die Karte dieser Region entwickelt hat und wie die Eigentümlichkeiten und Irrtümer entstanden sind.

Annuaire de la Société Suisse de Préhistoire et d'Archéologie
86, 2003, 137–144.

 


Jean-Daniel Demarez

Un bâtiment en pierre du 7e s. à Porrentruy (JU)
Nouvelles données archéologiques dans le Jura mérovingien
Avec une contribution de Claude Olive

Im Herbst/Winter 1997/98 fanden in Porrentruy-La Rasse Ausgrabungen statt, die durch den Bau der Autobahn A16 nötig wurden. Dabei kamen ein frühmittelalterliches Steingebäude sowie Pfostenlöcher zum Vorschein.

Letztere belegen eine hölzerne Baute von 17x16.5 m, die möglicherweise in zwei Räume unterteilt war und in der 2. Hälfte 6. Jh. errichtet worden war (Periode 1).

Der Holzbau wurde im 7. Jh. durch ein teilweise erhaltenes steinernes Gebäude mit einem Zentral- und zwei Seitenflügel ersetzt (Periode 2). Dessen Länge betrug 18 m, die Breite mindestens 8 m. Die geringe Dicke der Mauern und das Vorhandensein von verziegeltem Lehmverstrich deuten an, dass man sich die Wände als Holz-/Flechtwerkkonstruktion auf Steinsockel vorzustellen hat.

Weitere Fundamente, die vielleicht als Mauern oder aber als Terrassierungen zu deuten sind, scheinen eine Nutzung des Platzes vom 8. bis ins 9./10. Jh. zu bezeugen (Periode 3).

Da die Baureste schlecht erhalten und die Kleinfunde rar sind, ist es schwierig, Genaues zu Zeitstellung und Funktion der Gebäude zu sagen. Über den Vergleich mit analogen Befunden sowie via Ausschlussverfahren bleibt als wahrscheinlichste Hypothese die Deutung als curtis (frühmittelalterlicher Herrenhof) oder aber als Verwaltungssitz. Die beiden Vermutungen sind sogar vereinbar, denn ein reicher Grundbesitzer konnte durchaus auch Verwaltungsaufgaben übernehmen.

Schliesslich werden die Reste aus La Rasse in den grösseren Kontext des merowingerzeitlichen Jura eingeordnet. Stellt man sie Resultaten aus dem 19. Jh., insbesondere Nekropolen, sowie neueren Grabungen in Siedlungen und kleinen Friedhöfen gegenüber, ergibt sich eine ganze Serie weiterführender Fragen.

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Annuaire de la Société Suisse de Préhistoire et d'Archéologie
86, 2003, 145–166.

 
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