Andrea Schaer
Untersuchungen zum prähistorischen Bergbau im Oberhalbstein
(Kanton Graubünden)
Im bündnerischen Oberhalbstein sind mindestens 23 Kupfervererzungen
bekannt. Zehn von ihnen wurden im Mittelalter und in der Neuzeit
abgebaut. Nicht in historische Zeit datierte Pingen, Halden,
Tagbaue und Stollen bezeugen wahrscheinlich einen prähistorischen
Bergbau an vier Lagerstätten.
Von 59 Fundstellen liegen prähistorische Kupferverhüttungsschlacken
vor, zwölf davon lieferten zusätzlich Gebläsedüsenfragmente
und damit den Beweis für das Vorhandensein von Verhüttungsöfen,
die es noch zu finden gilt.
Von 55 Fundorten wurden 8578 Schlacken makroskopisch untersucht
und anhand ihrer Dicke in sieben Typen unterteilt. Aufgrund
der Anteile der verschiedenen Schlackentypen lassen sich die
Schlackenfundstellen in abermals sieben Typen eingeteilen,
diejeweils eine charakteristische regionale Verbreitung aufweisen:
im nördlichen Teil des Oberhalbsteins überwiegen
Fundkomplexe mit vielen Schlacken von 2.5 mm bis zu 10 mm
Dicke, im südlichen Talteil dominieren Ensembles mit
einem grossen Anteil an Schlacken von mehr als 10 mm Dicke.
Dieser Unterschied gründet in der regional verschiedenen
Qualität des verhütteten Erzes und dem dadurch bedingten,
jedoch erst teilweise rekonstruierbaren unterschiedlichen
Verhüttungsprozess.
Von zehn Fundstellen liegen zwölf C14-Datierungen vor:
Vier Daten fallen in die Spätbronzezeit, sechs in die
ältere Eisenzeit und je eines in den Übergang von
der Mittel- zur Spätbronzezeit bzw. in die jüngere
Eisenzeit. In den Daten deutet sich eine Entwicklung an: Die
Fundstellen im oberen Teil des Oberhalbsteins beginnen früher
— hier wurden die relativ einfach zu verarbeitenden
Serpentinitvorkommen des Piz Toissa verarbeitet. Erst mit
der späteren, ausgefeilteren Hüttentechnik liessen
sich die Meta-Pillow Laven im unteren Talteil verarbeiten.

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Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft
für Ur- und Frühgeschichte
86, 2003, 7–54.
Ursula Gnepf Horisberger
Die bronze- und hallstattzeitliche Fundstelle Baar ZG-Martinspark
Bereits in den 1940-er Jahren sammelte der Baarer Totengräber
im Bereich des damaligen Friedhofs etliche spätbronze-
und hallstattzeitliche Scherben auf. Der Bau eines Altersheims
veranlasste dann die Kantonsarchäologie Zug in den Jahren
1990–1993 eine archäologische Untersuchung auf
dem Gelände durchzuführen.
Die rund 8300 in Baar-Martinspark geborgenen Keramikscherben
stammen weitgehend aus zwei, 50–70 cm bzw. bis zu 25
cm mächtigen, übereinanderliegenden feinsandig-siltigen
Schichten, die stellenweise durch einen Geröllschleier
getrennt wurden, ansonsten aber von Auge nicht zu unterscheiden
waren.
Eine Trennung der Funde nach Schichten war nicht möglich.
Mit Hilfe einer Unterteilung der Funde in fünf Abstichkomplexe
konnten dennoch Tendenzen bezüglich der Verteilung der
Scherben im Boden herausgearbeitet werden.
Anhand typologischer sowie materialtechnischer Kriterien
konnte die hallstattzeitliche Keramik in die Zeit von Ha C
bis an den Anfang von Ha D, also grob ins 7. Jh. v.Chr. datiert
werden. Das spätbronzezeitliche Keramikmaterial lässt
sich schwerpunktmässig in Ha B2spät, also etwa in
die 2. Hälfte des 10. Jh. v.Chr. datieren. Einige wenige
Ha B1-zeitliche Elemente lassen eine frühere menschliche
Präsenz nicht ausschliessen.
Aufgrund der horizontalstratigraphischen Verteilung der
Materialgruppen, sowie anhand der Verzierungen und der Randformen,
konnten zudem einige mittelbronzezeitliche Keramikscherben
ausgesondert werden. Sie können mit Vorbehalt in den
Übergangsbereich MBZ/BZ D, also in die 1. Hälfte
des 13. Jh. v.Chr. datiert werden.
Jahrbuch der Schweizerischen
Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
86, 2003, 55–113.
Yves Dubois, Claude-Alain Paratte,
Susan Ebbutt
Yvonand-Mordagne, pars urbana sud: établissement
précoce et peintures du IIIe style
Die Waadtländer Kantonsarchäologie führte
im üblicherweise Pars urbana Süd genannten Teil
der Villa von Yvonand-Mordagne Grabungen durch, die neue Erkenntnisse
zur Entwicklung des Guts erbrachten. Anhand der Strukturen
und der Stratigraphie lässt sich nachweisen, dass dieser
Teil der Anlage ab spätaugusteischer Zeit errichtet am
Ende des 2. Jh. abgerissen wurde, zu einem Zeitpunkt, als
die Pars urbana Nord wesentlich vergrössert und umgebaut
wurde.
Wandmalereifragmente aus der Abbruchschicht vermitteln selbst
in ihrem schlechten Erhaltungszustand noch einen Eindruck
davon, wie reich das Anwesen geschmückt war. Die ausserordentliche
Feinheit der Motive und die Wahl der Farben für die grossen,
monochromen Flächen sprechen für eine Datierung
in tiberisch-claudische Zeit, spätestens in die Zeit
zwischen 35 und 45 n.Chr.

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Annuaire de la Société
Suisse de Préhistoire et d'Archéologie
86, 2003, 115–136.
Claude Rapin
La Suisse et l'arc alpin dans la carte de Ptolémée
Sur Aventicum-Forum Tiberii
Die im 2. Jh. n.Chr. vom alexandrinischen Geographen Ptolemaios
kompilierte Weltkarte weist einige Eigentümlichkeiten
auf: Saone und Doubs fliessen hier zwischen Jura und Genfersee,
die Jurahöhen trennen die im Norden angesiedelten Helvetiern
und von den im Süden lokalisierter Sequanern und nördlich
von Aventicum liegt eine Stadt namens Forum Tiberii.
Wie schon vor Jahren vorgeschlagen, könnten die beiden
Städtenamen die gleiche Ortschaft bezeichnen. Dafür
sprechen nun auch neue Erkenntnisse zum Werk des Ptolemaios:
Es gelang, dem Gelehrten einen systematischen Fehler nachzuweisen,
der immer wieder und in den Karten zu allen drei ihm bekannten
Kontinenten auftritt. Überträgt man die Resultate
von Vergleichen zu weit auseinander liegenden Regionen auf
das nördliche Alpenvorland, versteht man besser, wie
Ptolemaios die Karte dieser Region entwickelt hat und wie
die Eigentümlichkeiten und Irrtümer entstanden sind.
Annuaire de la Société Suisse
de Préhistoire et d'Archéologie
86, 2003, 137–144.
Jean-Daniel Demarez
Un bâtiment en pierre du 7e s. à Porrentruy
(JU)
Nouvelles données archéologiques dans le Jura
mérovingien
Avec une contribution de Claude Olive
Im Herbst/Winter 1997/98 fanden in Porrentruy-La Rasse Ausgrabungen
statt, die durch den Bau der Autobahn A16 nötig wurden.
Dabei kamen ein frühmittelalterliches Steingebäude
sowie Pfostenlöcher zum Vorschein.
Letztere belegen eine hölzerne Baute von 17x16.5 m,
die möglicherweise in zwei Räume unterteilt war
und in der 2. Hälfte 6. Jh. errichtet worden war (Periode
1).
Der Holzbau wurde im 7. Jh. durch ein teilweise erhaltenes
steinernes Gebäude mit einem Zentral- und zwei Seitenflügel
ersetzt (Periode 2). Dessen Länge betrug 18 m, die Breite
mindestens 8 m. Die geringe Dicke der Mauern und das Vorhandensein
von verziegeltem Lehmverstrich deuten an, dass man sich die
Wände als Holz-/Flechtwerkkonstruktion auf Steinsockel
vorzustellen hat.
Weitere Fundamente, die vielleicht als Mauern oder aber als
Terrassierungen zu deuten sind, scheinen eine Nutzung des
Platzes vom 8. bis ins 9./10. Jh. zu bezeugen (Periode 3).
Da die Baureste schlecht erhalten und die Kleinfunde rar
sind, ist es schwierig, Genaues zu Zeitstellung und Funktion
der Gebäude zu sagen. Über den Vergleich mit analogen
Befunden sowie via Ausschlussverfahren bleibt als wahrscheinlichste
Hypothese die Deutung als curtis (frühmittelalterlicher
Herrenhof) oder aber als Verwaltungssitz. Die beiden Vermutungen
sind sogar vereinbar, denn ein reicher Grundbesitzer konnte
durchaus auch Verwaltungsaufgaben übernehmen.
Schliesslich werden die Reste aus La Rasse in den grösseren
Kontext des merowingerzeitlichen Jura eingeordnet. Stellt
man sie Resultaten aus dem 19. Jh., insbesondere Nekropolen,
sowie neueren Grabungen in Siedlungen und kleinen Friedhöfen
gegenüber, ergibt sich eine ganze Serie weiterführender
Fragen.

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Annuaire de la Société
Suisse de Préhistoire et d'Archéologie
86, 2003, 145–166.
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