SGUF / SSPA
zum eingangsuchenkontaktdeutschfrançais
portraitnewspublikationenveranstaltungenArbeitsgemeinschaften (AGs)forum
   
  Zusammenfassungen des Jahrbuches Nr. 85 (2002)

 

 
   

Erwin Rigert und Martin Peter Schindler
Der Bau der Schweizerischen Hauptstrasse H8 zwischen Jona und Schmerikon: Von der archäologischen Begleitung zur Siedlungsgeschichte

     

Michel Mauvilly, Jehanne Affolter, Jean-Luc Boisaubert, Luc Braillard, Louis Chaix, Michael Helfer, Serge Menoud et Philippe Pilloud
Du Paléolithique final à la fin du Mésolithique dans le canton de Fribourg. Etat de la question

     
 

Stefan Hochuli
Teil eines neolithischen Schuhs aus Zug - Mit einem Beitrag von Anne Reichert: Weich und warm auf Moossohlen. Experimente zur «Rheumasohle» von Zug

     
 

Erwin Rigert
Glockenbecher im Knonauer Amt. Die Fundstelle Affoltern ZH-Zwillikon-Weid

     

Laurent Héritier
Varen VS-Sportplatz. Un habitat et un complexe céramique du 8e siècle av.J.-C. en Valais

     

René Matteotti
Die römische Anlage von Riom GR. Ein Beitrag zum Handel über den Julier- und den Septimerpass in römischer Zeit

     

Renata Windler
Keramik des 6. und 7. Jahrhunderts. Siedlungs- und Grabfunde aus dem Gebiet zwischen Zürichsee und Hochrhein

     

Toni Rey
Über die Landesgrenzen. Die SGU und das Ausland zwischen den Weltkriegen im Spiegel der Jahresberichte

 

Erwin Rigert und Martin Peter Schindler

Der Bau der Schweizerischen Hauptstrasse H8 zwischen Jona und Schmerikon: Von der archäologischen Begleitung zur Siedlungsgeschichte

 

Der Bau der Schweizerischen Hauptstrasse H8 (ehemals T8/A8) Umfahrung Wagen-Eschenbach-Schmerikon wurde im Jahr 2000 durch die Kantonsarchäologie St. Gallen begleitet. Gleichzeitig erfolgte die Dokumentation von Schäden im an das Trasse angrenzenden Wald, verursacht durch den Sturm "Lothar" 1999. Zum ersten Mal nach vier Jahrzehnten Autobahnbau im Kanton St. Gallen wurde mit der H8 ein grosses Strassenbauvorhaben intensiv und konsequent archäologisch betreut. Die zahlreichen neu entdeckten Fundstellen sind Belege für das reichhaltige archäologische Potential der Region und unterstreichen die Notwendigkeit dieser Arbeiten.

C14-Daten könnten auf eine Begehung der Region bereits im Mesolithikum hindeuten. Die ältesten Siedlungsspuren im Hinterland des Obersees gehören in die Bronzezeit. In Jona SG-Wagen-Erlen wurde eine bis anhin unbekannte Siedlungsstelle der Mittelbronzezeit entdeckt. Mittelbronzezeitliche Funde sowie eine spätbronzezeitliche Brandgrube belegen eine weitere Siedlungsstelle in Jona SG-Wagen-Geretswis. C14-Datierungen und Einzelfunde zeigen eine Nutzung des Gebiets auch in der Eisenzeit. In Eschenbach SG-Neuhaus--Bürstli wurden die mutmasslichen Reste eines hallstattzeitlichen Grabes entdeckt. In Sichtweite liegt die bekannte Grabhügelgruppe auf dem Balmenrain bei Eschenbach/Schmerikon. Einzelne Scherben sprechen für eine hallstattzeitliche bzw. latènezeitliche Nutzung der Areale bei Jona SG-Wagen-Salet und bei Jona SG-Wagen-Erlen.

Erstmals seit den Grabungen von 1946 konnten neue Erkenntnisse zum römischen Gutshof "Salet" bei Wagen gewonnen werden. Baubegleitende Beobachtungen auf der H8 und die Dokumentation von Sturmschäden im Bereich der römischen Gebäude erbrachten neue Hinweise zur Ausdehnung des Gutshofes und zum Standort des Hauptgebäudes. Die Dokumentation der durch Baumwurf freigelegten Mauern bestätigte die durch die Topographie angeregte Vermutung, dass das Hauptgebäude auch an der nordöstlichen Ecke einen Risalit aufgewiesen hatte.


Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
85, 2002, 7–22.


 


Michel Mauvilly, Jehanne Affolter, Jean-Luc Boisaubert, Luc Braillard, Louis Chaix, Michael Helfer, Serge Menoud et Philippe Pilloud

Du Paléolithique final à la fin du Mésolithique dans le canton de Fribourg. Etat de la question

Das Ende der späten Eiszeit und die beginnende Nacheiszeit sind für die Geschichte des Kantons Freiburg ein zentraler Zeitabschnitt: Zum ersten Mal haben Menschen das gesamte Kantonsgebiet, alle Landschaftstypen besiedelt: Seebezirk, Mittelland, voralpine und alpine Zone.

Archäologische Reste aus jener Epoche und Indizien zur Umweltgeschichte wären in reichem Mass vorhanden — sie warten darauf, ausgewertet zu werden. Allerdings ist der heute verfügbare Bestand an Basisdaten, an Befunden und Objekten, noch klar lückenhaft. Immerhin erlaubt er es, ein erstes, vorläufiges Bild der Besiedlungsgeschichte und der Rohstoffnutzung zu entwerfen.


Annuaire de la Société Suisse de Préhistoire et d'Archéologie
85, 2002, 23–44.

 


Stefan Hochuli

Teil eines neolithischen Schuhs aus Zug. Mit einem Beitrag von Anne Reichert: Weich und warm auf Moossohlen. Experimente zur «Rheumasohle» von Zug

Wegen einer umfassenden Strassensanierung musste die Kantonsarchäologie Zug im Sommer 2000 im Bereich der bereits bekannten neolithischen Seeufersiedlung Zug-Schützenmatt erneut eine kleine Ausgrabung durchführen. Die zahlreichen Funde und die ausgegrabenen Hausreste datieren in die Zeit um 3150 v.Chr.
Zu den Funden gehört auch ein unscheinbares Häufchen aus Moos, das sich als Einlege- bzw. Isolationssohle eines jungsteinzeitlichen Schuhs entpuppte. Die aus gepresstem Moos bestehende Sohle dürfte ursprünglich in einem Schuh aus Leder gesteckt haben, der sich aber nicht erhalten hat.

Der Fund bietet zu wenig Ansatzpunkte für eine vollständige Rekonstruktion des ganzen Schuhs. Allerdings zeigt er — nebst dem gleich fast hohen Alter — zwei auffallende Übereinstimmungen mit dem rechten Schuh der Gletschermumie vom Hauslabjoch («Ötzi»): seine gedrungene, breite Form und den Abdruck eines auf der Sohlenunterseite quer verlaufenden Bandes.
Der auf den ersten Blick banal wirkende Fund ist deshalb von Bedeutung, weil europaweit bisher lediglich neun jungsteinzeitliche Schuhe oder Teile davon bekannt sind.


Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
85, 2002, 45–54.

 


Erwin Rigert

Glockenbecher im Knonauer Amt. Die Fundstelle Affoltern ZH-Zwillikon-Weid

In Affoltern ZH-Zwillikon-Weid wurde beim Bau eines Stalles eine Siedlungsstelle der Glockenbecherzeit entdeckt. Sie liegt auf einer ebenen Moränenterrasse nahe der steil abfallenden Geländekante des Jonenbaches. Die bereits stark fortgeschrittenen Bauarbeiten erlaubten lediglich geringe Bodeneingriffe.

In einer ca. 20 m breiten Geländesenke war eine bis zu 1 m mächtige Schichtabfolge mit prähistorischen Funden erhalten. Über der Moräne fand sich ein Horizont mit zahlreichen Holzkohlepartikeln, was als Hinweis auf prähistorische Rodungen zu werten ist. Vereinzelte Keramikscherben, sowie C14-Daten aus besagter Schicht sprechen für eine schnurkeramische Nutzung des Areales. Über dem schnurkeramischen Horizont folgt ein 20–30 cm mächtiges Kolluvium mit stark fragmentierten glockenbecherzeitlichen Scherben, wenigen Silices und Hitzesteinen. Die Befundsituation lässt vermuten, dass es sich um die Reste einer Siedlungsstelle handelt.

Von Bedeutung sind 18 Fragmente von Glockenbechern, die von mindestens 16 Gefässindividuen stammen. Das Fundmaterial umfasst sowohl Elemente der mittleren Phase der Glockenbecherkultur, charakterisiert durch maritime und epimaritime Becher, als auch späte Glockenbecher. C14-Datierungen sichern die Schlüsse aus der Beobachtung der typologischen Merkmale an der Keramikab. Zudem finden sich wenige Fragmente von «Begleitkeramik».

Die Schichtabfolge enthält im oberen Bereich spärliche frühbronzezeitliche Funde.


Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
85, 2002, 55–66.

 


Laurent Héritier

Varen VS-Sportplatz. Un habitat et un complexe céramique du 8e siècle av.J.-C. en Valais

Die Siedlungsstelle Varen-Sportplatz wurde 1998 entdeckt und ausgegraben. Drei Phasen liessen sich unterscheiden. Die Erste gehört nach den C14-Daten in die 1. Hälfte des 8. Jh. v.Chr. Auf einer relativ kleinen Fläche fand sich eine grosse Anzahl von Brandgruben, eingetiefte und ebenerdige Feuerstellen sowie Mulden bzw. Zonen mit Asche. Der Bereich diente den Einwohnern wohl für kollektive Aktivitäten.

Die Keramik ist ein wichtiges, mitunter recht originelles Ensemble, das die Formen am Beginn der Eisenzeit widerspiegelt. Sie weist Anklänge sowohl an süd- als auch an nordalpine Typen auf. Da zeitgleiche Funde aus der Region bisher so gut wie nicht vorhanden sind, stellt das Ensemble aus Varen einen Referenzkomplex dar, eine erste Etappe in der Rekonstruktion der typologischen Entwicklung der früheisenzeitlichen Walliser Keramik.


Annuaire de la Société Suisse de Préhistoire et d'Archéologie
85, 2002, 67–102.

 


René Matteotti

Die römische Anlage von Riom GR. Ein Beitrag zum Handel über den Julier- und den Septimerpass in römischer Zeit

Bei Grabungen in Riom-Cadra im Oberhalbstein kamen die Überreste eines U-förmigen römischen Gebäudes zum Vorschein, das als Herberge und Gutshof benutzt worden sein dürfte. Anhand der Befunde und Funde kann eine Siedlungskontinuität vom zweiten Viertel des 1. Jh. v. Chr. bis ins Hochmittelalter nachgewiesen werden. Aus der frühesten Phase stammt ein Holzbau, der um die Mitte des 1. Jh. vom U-förmigen Steingebäude mit einer Hofanlage abgelöst wurde. Zwischen 70 und 125 n.Chr. wurde dieses Steingebäude umgebaut, wobei unter anderem eine Kanalheizung eingebaut worden sein dürfte. Das Gebäude fiel zwischen 130 und 170 n.Chr. einem Brand zum Opfer und wurde darauf wieder aufgebaut. Im späten 4./5. Jh. n.Chr. zerfiel das Steingebäude definitiv. Die Überreste eines Holzhauses mit Herdstellen legen Zeugnis für eine kontinuierliche Besiedlung Rioms bis ins Früh- und Hochmittelalter ab.

Das Fundmaterial aus Riom ist stark italisch geprägt und hebt sich deutlich von anderen Fundplätzen der Nordwestschweiz, des Mittellandes und des Ostalpenraumes ab. Charakteristisch ist insbesondere die italische Terra Sigillata, die in Riom bis um die Mitte des 1. Jh. n.Chr. belegt ist. Bereits im 2. Jahrhundert n.Chr. verdrängte das Lavezgeschirr die im 1. Jh. n.Chr die Gebrauchskeramik. Trachtbestandteile aus dem Westen (Rheinland, Gallien) und aus dem Osten (Rätien, Noricum, Pannonien) dürften zumindest teilweise von Reisenden stammen. Die Glasarmringe sowie die bemalte Keramik in SLT-Tradition belegen das Fortleben spätkeltischen Formenguts im Alpenraum bis ins späte 1. und mittlere 2. Jh. n.Chr.

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
85, 2002, 103–196.

 


Renata Windler

Keramik des 6. und 7. Jahrhunderts. Siedlungs- und Grabfunde aus dem Gebiet zwischen Zürichsee und Hochrhein

Fundkomplexe aus frühmittelalterlichen Siedlungen in Andelfingen, Fällanden und Winterthur sowie ein kleines Ensemble an Siedlungs-(?)Keramik aus Dorf bieten neben wenigen, zum Teil seit längerem publizierten Gefässen aus Gräbern Einblick in die bisher kaum bekannte Keramik des 6. und 7. Jh. aus dem Gebiet zwischen Zürichsee und Hochrhein.

Im Fundmaterial des letzten Drittels des 6. Jh. oder des frühen 7. Jh. aus zwei Grubenhäusern bei Andelfingen fällt die grosse Variationsbreite und der hohe Anteil an scheibengedrehter Keramik auf. Neben Keramik ist — wenn auch nur in geringen Anteilen — Lavez vorhanden. Vor allem zur rauhwandigen Drehscheibenware finden sich gute Vergleiche in der Nordwestschweiz, während nördlich des Hochrheins, namentlich in Komplexen aus dem Kanton Schaffhausen, handgeformte Keramik bei weitem vorherrscht. Solche ist auch im Komplex aus Andelfingen belegt und zeigt zusammen mit glättverzierter Knickwandkeramik Verbindungen zum angrenzenden rechtsrheinischen Gebiet. Dort finden sich ferner Vergleiche zu einer gut fassbaren Gruppe glättverzierter Knickwandkeramik, für deren Entstehung Einflüsse aus dem nordfranzösisch-südbelgischen Raum in Betracht gezogen werden.

Wie der jüngste Keramikkomplex aus der Winterthurer Altstadt andeutet, wurde die handgeformte Keramik vermutlich im Verlauf des 7. Jh. in unserer Region vorherrschend und verdrängte die Drehscheibenware nahezu vollständig; etwa gleichzeitig dürfte die feintonige Knickwandkeramik verschwunden sein. Lavezgefässe hingegen waren bis ins 12./13. Jh. im Geschirrsortiment vertreten. Mit dem Überhandnehmen handgeformter Keramik setzt im 7. Jh. eine ganz andere Entwicklung ein als in der Nordwestschweiz, wo zwar ebenfalls neue, aber weiterhin auf der Scheibe produzierte Waren auftauchen.

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
85, 2002, 197–230.

 


Toni Rey

Über die Landesgrenzen. Die SGU und das Ausland zwischen den Weltkriegen im Spiegel der Jahresberichte

Der Aufsatz beleuchtet einen Aspekt der schweizerischen Ur- und Frühgeschichtsforschung in der Zeit zwischen 1920 und 1940. Anhand der Jahresberichte der SGU wird den Auslandskontakten von Schweizer Archäologen und der Tätigkeit von ausländischen Kollegen in der Schweiz nachgegangen. Das Knüpfen von internationalen Verbindungen war ein erklärtes Ziel der SGU. Erfolg hatten diese Bemühungen um wissenschaftliche Kontakte über die Landesgrenzen hinweg vor allem in Bezug auf Deutschland. Da es dort schon vor den zwanziger Jahren eine stark nationalistisch geprägte Strömung innerhalb der archäologischen Forschung gab und sich diese Richtung mit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten durchsetzen konnte, sind die Spuren völkischer und nationalsozialistischer Ideologie auch in den Jahresberichten der SGU zu finden.

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
85, 2002, 231–253.

 
      Mail senden
       

 

Mail senden