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  Zusammenfassungen der as. 1 / 2004

 

 
   

Erwin Rigert und Markus Graf
Ein Grabhügel aus der frühen Eisenzeit im Hagenholz bei Kloten

     

Patrick Nagy, Stefan Schreyer und Andrea Tiziani
Rheinau – eine Siedlungsgeschichte über 2000 Jahre

     

Margrit Balmer, Andreas Motschi und Dölf Wild
Archäologie auf dem Zürcher Lindenhof

     

Bettina Hedinger
Zur Frühzeit von Vitudurum

     

Werner Wild und Renata Windler
Vitudurum– Winterthur: von der Spätantike zum Hochmittelalter

     

Verena Jauch und Markus Roth
Römisches Handwerk in Oberwinterthur / Vitudurum

     

Florian Hoek, Beat Horisberger und Daniel Käch
Zur Ausstattung der römischen Villen

     

Werner Wild
Zeugen gräflicher Repräsentation – Mörsburg und Kyburg bei Winterthur

     

Annamaria Matter
150 Jahre Keramikproduktion am linken Zürichseeufer

     

Andrea Tiziani
Zwei Projekte der STARCH (Stiftung für Archäologie im Kanton Zürich)

     

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Erwin Rigert und Markus Graf
Ein Grabhügel aus der frühen Eisenzeit im Hagenholz bei Kloten

Der auf der Gemeindegrenze der Gemeinden Kloten, Bassersdorf und Dietlikon liegende Grabhügel war durch rasch fortschreitende Zerstörungen bedroht. Die Kantonsarchäologie Zürich führte im Jahr 2000 eine Rettungsgrabung durch. Die westliche Hälfte des Hügels von ca. 18 Metern Durchmesser war bereits im 19.Jh. zur Gewinnung von Baumaterial abgetragen worden. Die freistehende Böschung diente in jüngster Zeit zum Steinraub für Feuerstellen für einen Pic-Nic-Platz. Dabei wurde ein Grossteil der Steinpackung über der Zentralbestattung abgetragen.

Unterhalb einer letzten schützenden Steinlage wurde eine Feuerbestattung freigelegt, bestehend aus Resten des Scheiterhaufens und mindestens acht Beigabengefässen, sowie mit einem kleinen Eisenmesser. In einem Topf fand sich der Leichenbrand, welcher von zwei Individuen stammt. Die Zentralbestattung datiert in die Übergangszeit Ha C/Ha D.

An der südlichen Peripherie des Grabhügels fand sich eine bereits stark gestörte Nachbestattung. Als einzige Beigabe war ein Miniaturgefäss erhalten, welches den Befund in Ha D datiert.

 


Patrick Nagy, Stefan Schreyer und Andrea Tiziani
David El-Biali
Rheinau - eine Siedlungsgeschichte über 2000 Jahre

Auf den Halbinseln «Au» (Rheinau ZH) und «Schwaben» (Altenburg D) stand bereits im 1. Jh. v.Chr. je ein keltisches Oppidum. Abgegrenzt waren sie durch Befestigungsanlagen, die heute noch im Terrain sichtbar sind. Mit der 1988 begonnenen Luftbildbildprospektion und den in den letzten 10 Jahren konsequent durchgeführten Rettungsgrabungen hat sich der Wissenstand zur keltischen Siedlung in Rheinau vervielfacht. Vorratsgruben, Grubenhäuser aber auch ein Werkplatz eines Feinschmiedes sowie das bedeutende Fundspektrum lassen vermuten, dass es innerhalb der Grosssiedlung eine Gliederung in Quartiere mit unterschiedlichen Funktionen gab.

Das zeitliche Übereinstimmen eines um 1300 abgebrochenen Gebäudes mit einem schriftlich überlieferten Umsiedlungsbefehl hat einen neuen Impuls für die Erforschung der mittelalterlichen Siedlungsgeschichte gebracht. Es hat sich dabei gezeigt, dass das Städtchen Rheinau Spielball der weltlichen Klostervogtes und der geistlichen Herrschaft war und dass diese machtpolitische Situation auf lokaler Ebene Konsequenzen für den Entstehungsprozess Rheinaus hatte. Neben der älteren dem Kloster enger verbundenen Unterstadt hat der adlige Vogt eine jüngere «Gegengründung» im Bereich der Oberstadt gesetzt, um dem Kloster auf der Rheininsel seine herrschaftliche Machtbasis zu entziehen.

 


Margrit Balmer, Andreas Motschi und Dölf Wild
Archäologie auf dem Zürcher Lindenhof

Der Lindenhofhügel war während Jahrhunderten das Zentrum des Siedlungsplatzes Zürich. Seit den Grabungen Emil Vogts 1937/38 bilden die frührömische Holzbausiedlung, das spätrömische Kastell und die mittelalterlichen Pfalzen feste Eckpfeiler seiner Geschichte. Der Nachweis einer keltischen Besiedlung und die neuen Erkenntnisse über das Eingebundensein des Hügels in die mittelalterliche Stadtentwicklung und -befestigung markieren die Schwerpunkte der aktuellen Forschung.

 


Bettina Hedinger
Zur Frühzeit von Vitudurum

Die Frage nach der Siedlungskontinuität, der mehr oder weniger ununterbrochenen Besiedlung eines Platzes von der prähistorischen Zeit zur römischen Epoche wird in Oberwinterthur immer wieder gestellt und je nach Forschungsstand unterschiedlich beantwortet. Der Umstand, dass die Untersuchung der römischen Siedlung von Oberwinterthur/Vitudurum seit etwa 25 Jahren einen Schwerpunkt der Tätigkeit der Kantonsarchäologie Zürich bildet, führte dazu, dass die Bauvorhaben in diesem Gebiet relativ intensiv begleitet werden und die Archäologie damit solchen Fragen besser auf den Grund gehen kann. Durch die vor kurzem mit Nachdruck formulierte These, der römische Vicus Vitudurum sei eine Gründung «auf der grünen Wiese», wurde eine Siedlungskontinuität in Abrede gestellt. Die jüngsten Ausgrabungen und eine Bewertung bereits bekannter Fakten zeigen jedoch ein differenzierteres Bild der wechselvollen Geschichte des antiken Oberwinterthur. Zwischen der jüngeren Eisenzeit und der römischen Zeit fand eine Verschiebung des Siedlungszentrums statt, im Bereich des Kirchhügels jedoch wurde, wohl mit nur wenigen zeitlichen Unterbrüchen, seit der Jungsteinzeit gesiedelt.

 


Werner Wild und Renata Windler
Vitudurum – Winterthur: von der Spätantike zum Hochmittelalter

Zwischen dem auf einen römischen Vicus und ein spätantikes Kastell zurückgehenden Oberwinterthur und der mittelalterlichen Stadt Winterthur dürfte, bevor sich letzteres im 13. Jh. endgültig als Stadt etablierte, über Jahrhunderte hinweg eine Konkurrenzsituation bestanden haben. Dank systematischer Grabungstätigkeit wird in der Winterthurer Altstadt eine mehrstufige Entwicklung der seit dem 6. Jh. existierenden Siedlung erkennbar. Um oder bereits vor 1000 dürfte ein Herrschaftssitz bestanden haben, ein Adelsgeschlecht baute die Kirche zu seiner Grablege aus. Eine gezielte Förderung der Siedlung lässt sich ebenso in der Bebauung erkennen: ab 1000 entstanden entlang einer alten Durchgangsstrasse rechtwicklig darauf ausgerichtete Häuser. Nun ist auch ein Markt zu vermuten. Neuparzellierungen, der Bau einer Befestigung und die Anlage einer Wasserversorgung markieren um 1200 den Übergang zur Stadt.

 


Verena Jauch und Markus Roth
Römisches Handwerk in Oberwinterthur / Vitudurum

Die Bewohner des Vicus erhielten aus den umliegenden Gutshöfen vorwiegend landwirtschaftliche Erzeugnisse. Im Gegenzug wurden im Vicus hergestellte Produkte auf dem örtlichen Martkplatz veräussert. Auffallenderweise waren bis um 30 n.Chr. in den Häusern im Vicus zahlreiche Handwerker tätig. Bis um 50 n.Chr. befanden sich die Betriebe im strassenseitigen Hausteil, danach fanden gewerbliche Aktivitäten im Hinterhof statt. Die strassenseitigen Räume wurden jetzt als Verkaufsflächen benutzt. Am häufigsten sind Eisenschmieden, von denen sich bis um 30 n.Chr. mindestens 11 nachweisen lassen. Weniger häufig sind Hinweise auf die Buntmetallverarbeitung. In drei Bezirken wurden 14 Töpferöfen aus dem 1. und 2. Jh. ausgegraben, deren Produkte zum Verkauf angeboten wurden. Bis um 50 n.Chr. bestanden drei Walkereien, danach vermutlich vier Gerbereien. Der Nachweis für den Ort der Verarbeitung von Holz, Knochen und Horn fehlt noch, es liegen jedoch zahlreiche Werkzeuge und Abfallprodukte vor. Eine Räucher- bzw. Darranlage gibt einen Hinweis auf ein Handwerk im Lebensmittelbereich.

 


Florian Hoek, Beat Horisberger und Daniel Käch
Zur Ausstattung der römischen Villen

Aus der reichhaltigen Palette von Ausstattungen römischer Villen im Kanton Zürich werden drei Aspekte herausgegriffen. Es handelt sich dabei allesamt um Resultate der letzten Jahre. Die Darstellung eines Isispriesters auf einem Wandputzfragment aus Wetzikon lässt auf Verbindungen mit Ägypten schliessen. Die steinernen Wandverkleidungsplatten aus Buchs sind nicht nur in Bezug auf den Reichtum der Motive sondern auch in Hinsicht auf die Herkunft des Materials bemerkenswert. Zur Gartenanlage von Buchs schliesslich gehört ein Kelchkrater aus kleinasiatischem Marmor, in welchem eine Fontäne befestigt war.


Werner Wild
Zeugen gräflicher Repräsentation – Mörsburg und Kyburg bei Winterthur

Im mittleren 13. Jh. waren die Mörsburg und die Kyburg wichtige Residenzen der Grafen von Kyburg. Verschiedene Teiluntersuchungen der letzten Jahre brachten Erkenntnisse zur baulichen Entwicklung der Hauptburgen wie auch zur Nutzung der weiträumigen Vorburgen. Zeugen die beiden nur 9 Kilometer auseinanderliegen Burgen und die dazwischen liegende Stadt Winterthur im 13. Jh. vom Höhepunkt kyburgischer Herrschaft oder weisen sie auf einen Machtzerfall in der aufstrebenden Stadt?


Annamaria Matter
150 Jahre Keramikproduktion am linken Zürichseeufer

Anlässlich einer geplanten Grossüberbauung wurde in Kilchberg Schooren, an der Stelle der ehemaligen Porzellanmanufaktur aus dem 18. Jh. eine archäologische Untersuchung durchgeführt. Im Brennhaus konnten insgesamt vier Öfen nachgewiesen werden, die vorwiegend mit Produktionsabfällen aus dem 19. Jh. aufgefüllt waren. Neben der Porzellanproduktion aus dem 18. Jh. ist die Herstellung von Gefässen und Fayencen aus dem 19. Jh. archäologisch nachgewiesen. Der grösste Anteil an Fundmaterial entfällt auf technische Hilfsmittel, Halbfabrikate und Fehlbrände, die interessante Hinweise auf die Produktionsabläufe der Manufaktur liefern. Diese Ausgrabung gibt erstmals Einblick in eine jahrzehntelange, vielfältige Keramikproduktion.


Andrea Tiziani
Zwei Projekte der STARCH (Stiftung für Archäologie im Kanton Zürich)

 


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