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Die Frage nach der Siedlungskontinuität, der mehr oder weniger ununterbrochenen Besiedlung eines Platzes von der prähistorischen Zeit zur römischen Epoche wird in Oberwinterthur immer wieder gestellt und je nach Forschungsstand unterschiedlich beantwortet. Der Umstand, dass die Untersuchung der römischen Siedlung von Oberwinterthur/Vitudurum seit etwa 25 Jahren einen Schwerpunkt der Tätigkeit der Kantonsarchäologie Zürich bildet, führte dazu, dass die Bauvorhaben in diesem Gebiet relativ intensiv begleitet werden und die Archäologie damit solchen Fragen besser auf den Grund gehen kann. Durch die vor kurzem mit Nachdruck formulierte These, der römische Vicus Vitudurum sei eine Gründung «auf der grünen Wiese», wurde eine Siedlungskontinuität in Abrede gestellt. Die jüngsten Ausgrabungen und eine Bewertung bereits bekannter Fakten zeigen jedoch ein differenzierteres Bild der wechselvollen Geschichte des antiken Oberwinterthur. Zwischen der jüngeren Eisenzeit und der römischen Zeit fand eine Verschiebung des Siedlungszentrums statt, im Bereich des Kirchhügels jedoch wurde, wohl mit nur wenigen zeitlichen Unterbrüchen, seit der Jungsteinzeit gesiedelt.
Zwischen dem auf einen römischen Vicus und ein spätantikes Kastell zurückgehenden Oberwinterthur und der mittelalterlichen Stadt Winterthur dürfte, bevor sich letzteres im 13. Jh. endgültig als Stadt etablierte, über Jahrhunderte hinweg eine Konkurrenzsituation bestanden haben. Dank systematischer Grabungstätigkeit wird in der Winterthurer Altstadt eine mehrstufige Entwicklung der seit dem 6. Jh. existierenden Siedlung erkennbar. Um oder bereits vor 1000 dürfte ein Herrschaftssitz bestanden haben, ein Adelsgeschlecht baute die Kirche zu seiner Grablege aus. Eine gezielte Förderung der Siedlung lässt sich ebenso in der Bebauung erkennen: ab 1000 entstanden entlang einer alten Durchgangsstrasse rechtwicklig darauf ausgerichtete Häuser. Nun ist auch ein Markt zu vermuten. Neuparzellierungen, der Bau einer Befestigung und die Anlage einer Wasserversorgung markieren um 1200 den Übergang zur Stadt.
Die Bewohner des Vicus erhielten aus den umliegenden Gutshöfen vorwiegend landwirtschaftliche Erzeugnisse. Im Gegenzug wurden im Vicus hergestellte Produkte auf dem örtlichen Martkplatz veräussert. Auffallenderweise waren bis um 30 n.Chr. in den Häusern im Vicus zahlreiche Handwerker tätig. Bis um 50 n.Chr. befanden sich die Betriebe im strassenseitigen Hausteil, danach fanden gewerbliche Aktivitäten im Hinterhof statt. Die strassenseitigen Räume wurden jetzt als Verkaufsflächen benutzt. Am häufigsten sind Eisenschmieden, von denen sich bis um 30 n.Chr. mindestens 11 nachweisen lassen. Weniger häufig sind Hinweise auf die Buntmetallverarbeitung. In drei Bezirken wurden 14 Töpferöfen aus dem 1. und 2. Jh. ausgegraben, deren Produkte zum Verkauf angeboten wurden. Bis um 50 n.Chr. bestanden drei Walkereien, danach vermutlich vier Gerbereien. Der Nachweis für den Ort der Verarbeitung von Holz, Knochen und Horn fehlt noch, es liegen jedoch zahlreiche Werkzeuge und Abfallprodukte vor. Eine Räucher- bzw. Darranlage gibt einen Hinweis auf ein Handwerk im Lebensmittelbereich.
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